Börse

Aktien der Deutschen Bank gehen auf Achterbahnfahrt

Eine Statue des Erfinders des Buchdruckes, Johannes Gutenberg, vor einer Filiale der Deutschen Bank in Frankfurt.

Eine Statue des Erfinders des Buchdruckes, Johannes Gutenberg, vor einer Filiale der Deutschen Bank in Frankfurt.

Foto: KAI PFAFFENBACH / REUTERS

Die Deutsche Bank bewegt die Börsen: Erstmals sank ihre Aktie am Freitag auf unter zehn Euro – um anschließend in die Höhe zu schießen.

Frankfurt/Main.  Kursturbulenzen bei der Deutschen Bank haben Anleger in ganz Europa in Aufruhr versetzt. Die Aktien des größten deutschen Geldhauses sackten am Freitag erstmals unter zehn Euro ab, weil Hedgefonds Gelder abzogen.

Sämtliche andere europäische Finanzwerte gerieten zeitweise im Sog der deutschen Bank unter die Räder. „Das ist die schiere Angst“, sagte Chefanalyst Nick Parsons von der National Australia Bank. Am späten Freitagabend kam dann die Trendwende. Gegen 18 Uhr lag die Aktien bei gut 11,50 Euro mit rund sechs Prozent im Plus.

Grund für den Trendwechsel: Spekulationen, wonach eine Strafzahlung für die Deutsche Bank in den USA angeblich deutlich reduziert werden soll. Das berichteten jedenfalls mehrere Medien mit Bezug auf die Nachrichtenagentur AFP, die sich wiederum auf Insider berief.

Ursprünglich hatte das US-Justizministerium von der Deutschen Bank eine Strafe von 14 Milliarden Dollar wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren gefordert. Nun sollen es nur noch 5,4 Milliarden Dollar sein, hieß es.

Großer Fonds zog 50 Millionen Dollar ab

Zuvor war zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Bank die Aktie des Geldhauses unter die Marke von zehn Euro gefallen. Die Titel rutschten zeitweise um neun Prozent auf ein Rekordtief von 9,90 Euro.

Bankchef John Cryan warnte in einem Brief an die rund 100.000 Mitarbeiter vor Panikmache und betonte, die Bank habe mit Liquiditätsreserven von 215 Milliarden Euro ein starkes Fundament.

Die Lage des einstigen Vorzeigeinstituts spitzte sich vor zwei Wochen zu, als das US-Justizministerium für die Bank wegen Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt eine Strafe von umgerechnet gut zwölf Milliarden Euro aufrief. Seither verlor das Institut fast vier Milliarden Euro an Börsenwert und ist am Kapitalmarkt gerade noch 14 Milliarden Euro wert.

Gefährliche Spekulationen

„Obwohl Viele der Einschätzung zustimmen, dass die Deutsche Bank ein solides Unternehmen ist, scheint das Händler kaum zu interessieren“, betonte Aktienmarkt-Experte Markus Huber vom Brokerhaus City of London. Je länger die Spekulationen um die Deutsche Bank anhielten, desto größer sei die Gefahr eines Vertrauensverlustes in die gesamte Finanzbranche.

SPD gegen Hilfen für Deutsche Bank

Die führenden Finanz- und Haushaltsexperten der SPD-Bundestagfraktion sehen derzeit keinen Anlass, der Deutschen Bank staatliche Hilfen in Aussicht zu stellen. „Die Frage einer staatlichen Rettung der Deutschen Bank stellt sich nicht. Die Deutsche Bank hat eine gute Finanzlage“, sagte der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Lothar Binding, unserer Redaktion.

Die Bank sei längst nicht mehr unterkapitalisiert. „Die Deutsche Bank ist ausreichend in der Lage, sich selbst zu helfen. Die Debatte um das Bankhaus ist total überhitzt“, kritisierte Binding.

„Die Deutsche Bank wird es schaffen“

Der haushaltspolitische Sprecher Johannes Kahrs sagte unserer Redaktion, es gebe aktuell keinen Grund, beunruhigt zu sein. „Es gibt keinen Anlass, über staatliche Hilfen nachdenken. Die Deutsche Bank wird es schaffen“, erklärte Kahrs. Wenn sie es nicht schaffen sollte, so der SPD-Chefhaushälter, „werden wir natürlich etwas tun“. Niemand könne ein Interesse daran haben, dass die Deutsche Bank in Turbulenzen gerate, so Kahrs.

Binding und Kahrs äußerten sich skeptisch zur Forderung der US-Regierung über 14 Milliarden US-Dollar wegen dubioser Hypothekendeals. Binding erklärte: „Ich will nicht ausschließen, dass das US-Justizministerium die 14 Milliarden Dollar auch aus wirtschaftstaktischen Gründen fordert. Ich gehe davon aus, dass diese Forderung so nicht aufrechterhalten wird.“ Kahrs sagte: „Die Forderungen aus den USA haben mit realen Lage der Bank nichts zu tun.“ (W.B./gau/rtr)