Opec

Ölkartell drosselt die Förderung ­– Preise dürften steigen

Foto: Mohamed Messara / dpa

Die Zeiten billigen Benzins und Diesels dürften vorbei sein: Das Ölkartell Opec hat sich nach langem Streit auf Fördergrenzen geeinigt.

Frankfurt/Main.  Jahrelang haben die Verbraucher sich jetzt an niedrigen Öl- und Benzinpreisen erfreuen können. Nun haben sich die Mitgliedsländer des lange zerstrittenen Ölkartells Opec nicht nur auf eine Fördermenge geeinigt, sondern sogar darauf, diese zu drosseln. Die 13 Opec-Länder wollen höchstens noch 33 Millionen Fass (159 Liter) Rohöl am Tag fördern, lieber sogar nur 32,5 Millionen Fass – bis zu 750.000 weniger als noch im August.

Im November 2014 hatte das Ölkartell darauf verzichtet, eine Fördermenge festzulegen und die Preisbildung dem Markt überlassen. In der Folge ging der Preis – sehr zur Freude der Verbraucher – in den Keller. Im Februar dieses Jahres lag er kurzfristig sogar unter 29 Dollar (26 Euro) je Fass.

Preise klettern um fünf Prozent

Die neue Einigkeit in der Opec zeigte umgehend Wirkung: Die Preise für ein Fass Rohöl der Nordseesorte Brent kletterten in der Nacht zum Donnerstag zunächst um gut fünf Prozent auf 48,31 Dollar, bröckelten aber im Tagesverlauf wieder etwas ab.

Axel Herlinghaus, Ölexperte der DZ-Bank, hält den Opec-Beschluss für ein taktisch geschicktes Manöver: In einer Phase, in der die Nachfrage saisonal bedingt nachlasse, sei es gelungen, den Preis „nach oben zu schieben“. Im Sommer nämlich fördert Saudi-Arabien viel Öl, weil dann mehr Strom erzeugt werden muss, um die dortigen Klimaanlagen zu versorgen.

Konkrete Förderquoten gibt es noch nicht

Ob der Preis auf dem aktuellen Niveau bleibt, daran haben jedoch viele Experten Zweifel. Der Beschluss des Ölkartells ist nur ein genereller. Konkret muss er noch ausgestaltet werden. Es fehlen noch Förderquoten für die einzelnen Länder. Und auch da dürfte der zerstrittene Haufen, als der die Opec in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren erschien, noch viel Arbeit vor sich haben. Das Ergebnis will die Organisation bei ihrer Sitzung im November in Wien präsentieren.

Höhere Ölpreise dürften aber auch die ungeliebte Konkurrenz der amerikanischen Schieferölindustrie wieder beleben. Die hatte vor allem Saudi-Arabien durch seine Politik der billigen Preise aus dem Markt zu drängen versucht – die Amerikaner benötigen höhere Preise, damit sie auskömmlich wirtschaften können.

Nachteile für die Luftfahrt

Ob Russland in die Entscheidung miteinbezogen wurde, das nicht zur Opec gehört und in den letzten Jahren seine Produktion ebenfalls stark ausgeweitet hat, dazu sind verschiedene Stimmen zu hören. Man habe mit den Russen geredet, heißt es, sie dürften einverstanden sein.

Die Auswirkungen zeigten sich an der Börse: Die steigenden Ölpreise schoben die Kurse der Ölproduzenten, aber auch der Energieversorger an. Nachteilig sind höhere Preise für die Luftfahrt: Lufthansa und Ryanair etwa haben die zuletzt niedrigen Kerosinpreise das Geschäft erleichtert.

Preise für Diesel und Benzin dürften eher steigen

Die Verbraucher müssen zunächst einmal mit eher steigenden Preisen rechnen, glaubt Analyst Herlinghaus von der DZ-Bank. Es gebe einen Zusammenhang zwischen Benzinpreisen und dem Ölpreis, wenn auch nicht eins zu eins. Denn die hohen Steuern auf Benzin und Diesel verzerren das Bild. „Klar ist, die Entscheidung darüber, wo der Ölpreis in den nächsten Monaten landen wird, fällt in Wien in zwei Monaten und fällt in den Schieferölregionen in den USA“, sagt er.

Die OPEC als auch die US-Frackingindustrie beobachteten genau, in welche Richtung der Markt die Preise treibe. Generell werde die Nachfrage trotz Effizienzgewinnen auch bei einer schwachen Entwicklung der Weltwirtschaft weiter steigen, glauben Beobachter – allein wegen der zunehmenden Zahl an Autos.