Schifffahrt

Binnenschiffe müssen sauberer werden

Was Autos seit Langem haben, benötigen jetzt auch Binnenschiffe: Katalysatoren und Rußpartikelfilter

Was Autos seit Langem haben, benötigen jetzt auch Binnenschiffe: Katalysatoren und Rußpartikelfilter

Foto: Roland Holschneider / dpa

Schärfere Grenzwerte für Stickoxide und Ruß ab 2019. Branche muss Motoren nach und nach umrüsten und befürchtet deshalb hohe Kosten.

Hamburg.  Deutschlands Binnenschiffer auf Elbe, Rhein und Donau stehen vor Millionenkosten: Von Anfang 2019 an gelten für ihre Schiffsmotoren wesentlich schärfere Umweltauflagen, die nur mit teuren Katalysatoren und Partikelfiltern einzuhalten sind. Eine nun verabschiedete EU-Verordnung schreibt unter anderem deutlich weniger Stickoxide und eine erhebliche Verringerung des Rußpartikelausstoßes vor. Die EU-Vorschriften gelten allerdings zunächst nur für neu angeschaffte Motoren, nicht für den Bestand, was Umweltschützer bereits kritisieren.

Umstellung wird teuer

Die Branche verweist hingegen auf die Kosten der Umstellung. „Das sind für die Reedereien hohe finanzielle Belastungen, sagt René Oloff von der Deutschen Binnenreederei AG mit Sitz in Hamburg und Berlin. Binnenschiffsmotoren kauft man nicht von der Stange. Meistens handelt es sich um umgebaute Lkw-Motoren“, so Oloff. Zwar würden derzeit noch die großen Motorenhersteller diese Umbauten anbieten. „Aber ob jeder bei der geforderten Weiterentwicklung mitzieht, ist angesichts des Mehraufwands fraglich.“ Die Deutsche Binnenreederei beginnt in der kommenden Woche mit der Umstellung: Die ersten drei Schiffe erhalten neue Motoren. Kosten pro Umbau 80.000 bis 90.000 Euro, sagt Oloff .

Beim Motorenaustausch könnten sogar sechsstellige Beträge fällig werden, sagt der Geschäftsführer des Verbands für europäische Binnenschifffahrt und Wasserstraßen, VBW, Marcel Lohbeck. Angesichts der niedrigen Frachtraten bräuchten die Schiffer für die Neuanschaffungen Anreize und finanzielle Hilfe, fordert er. Selbstständige Eigentümer mit nur einem Schiff, sogenannte Partikuliere, verdienen pro Jahr unter dem Strich teils nur knapp über 20.000 Euro, sagt der Fachjournalist und Branchenkenner Hermann Garrelmann vom Magazin „Binnenschifffahrt“. Viele der Familienunternehmer hätten ihre Schiffe auch noch in Zeiten deutlich höherer Zinsen finanziert und kämpften jetzt mit den monatlichen Raten. Neuinvestitionen seien da kaum zu stemmen.

Wenige Filter auf Flüssen und Kanälen

Um den Binnenschiffern zu helfen, gibt es bereits seit Jahren ein Motorenförderprogramm der Bundesregierung. Doch die Leistungen wurden bisher eher wenig abgerufen. Antragsteller empfanden die Fördersummen als zu gering und das Verfahren als zu bürokratisch. „Sie müssen ständig Bericht erstatten, sie lassen komplett die Hose runter – das wollten viele nicht“, sagt ein Insider. Von 2007 bis 2011 haben die Schiffer laut einer Bundestagsdruck­sache nur gut die Hälfte der vorgesehenen Mittel für die Modernisierung der Motoren abgerufen. Mitte 2015 wurde ein neues Programm aufgelegt, das pauschale Zahlungen für den Austausch von Dieselmotoren zwischen 40.000 und 50.000 Euro vorsieht. Die Zahl der Nutzer steigt. Auf den Flüssen und Kanälen sind aber bisher erst ganz wenige Schiffe mit Partikelfiltern zur Verringerung des Rußausstoßes unterwegs.

Dass etwas passieren muss, wird auch in der Branche nicht abgestritten. Die Schiffsdiesel der etwa 4000 deutschen Binnenschiffe sind zwar insgesamt umweltfreundlicher als Lastwagen und erst recht als die Motoren von Hochseeschiffen. Bei den besonders gefährlichen Stickoxiden liegen die Flussschiffe aber pro Tonne Ladung deutlich über dem Lkw. Nach einer Auswertung des Instituts für Energie- und Umweltforschung IFEU kommen auf 316 Milligramm Stickoxid pro Tonnenkilometer beim Lastwagen, beim Frachtschiff 418 Milligramm – rund ein Drittel mehr. „Da muss sich was tun“, sagt IFEU-Wissenschaftler Christoph Heidt. Eine spür­bare Reduzierung der Stickoxid-Emissionen mit Katalysatoren auf bis zu ein Zehntel des jetzigen Ausstoßes sei technisch durchaus machbar.

Technische Probleme bei Rußfiltern

Heidt hätte sich gewünscht, dass auch Bestandsmotoren umgerüstet werden müssen. Vorschläge für eine entsprechende Regelung wurden aber im Gesetzgebungsverfahren kassiert. So werde die Verschärfung der Auflagen sich nur langsam auswirken, weil die Binnenschiffer ihre Frachter meist sehr lange fahren.

Technische Probleme kann es in Einzelfällen bei Rußfiltern geben: Fast alle Schiffe sind Einzelanfertigungen. „Manche haben einen Riesenmotorraum, bei manchen müssen sie kriechen“, sagt Praktiker Garrelmann. Der Einbau von Partikelfiltern könne da problematisch werden. Hinzu komme die starke Hitzeentwicklung, die je nach Gestaltung den Motorraum unpassierbar machen könne.

Ein zweijähriger Praxisversuch unter Federführung des Bundesverkehrsministeriums ergab, dass Rußfilter grundsätzlich auch in Schiffen möglich sind und die Motoren deutlich sauberer machen. Die Kosten seien aber hoch – sowohl für die Wartung als auch für die Herstellung, da in der Regel wohl auch bei den Filtern Einzelanfertigungen nötig seien.