Lahnstein

5,3 Prozent mehr Lohn in der Chemieindustrie

Tarifvertrag läuft 24 Monate. Programm für Lehrlinge zur Berufsvorbereitung

Lahnstein. Die rund 550.000 Beschäftigten der chemischen Industrie bekommen deutlich mehr Geld. Gewerkschaft und Arbeitgeber einigten sich für die Tarifmitarbeiter in der drittgrößten deutschen Industriebranche auf eine zweistufige Erhöhung. Zunächst gibt es 3,0 Prozent mehr, nach 13 Monaten steigen die Bezüge noch einmal um 2,3 Prozent, wie beide Seiten am Donnerstag in Lahnstein bei Koblenz mitteilten.

Damit gelang in der Branche erneut ein Abschluss ohne Streiks. Die Tarifpartner beschlossen zudem ein Programm zur Berufsvorbereitung angehender Lehrlinge, das mit einer Million Euro ausgestattet wird. Der Verhandlungsführer der Gewerkschaft IG BCE, Peter Hausmann, sagte laut Mitteilung: „Wir haben einen guten Kompromiss erzielt, das Ergebnis entspricht der Lage in der chemischen Industrie. Die Prozentzahlen können sich auch im Branchenvergleich sehen lassen.“

Für die Unternehmen sei der Abschluss zweifellos ein Kraftakt, der nur durch die lange Laufzeit tragbar sei, erklärte der Verhandlungsführer der Arbeitergeberseite, Georg Müller: „Mit diesem Ergebnis steht die nächste Tarifrunde erst wieder in zwei Jahren an. Diese Zeit können wir nutzen, um große Herausforderungen wie die Digitalisierung der Arbeitswelt gemeinsam anzugehen.“

Die IG BCE hatte bei einer Laufzeit von 12 Monaten fünf Prozent mehr Geld gefordert. Mit dem Abschluss von Lahnstein ist die Einigung für die letzte wichtige Industriesparte für dieses Jahr tariflich unter Dach und Fach. Nun folgen noch mit den Bankangestellten und der Deutschen Bahn zwei große Dienstleistungsbereiche, bevor zum Jahresende die Tarifverträge für den öffentlichen Dienst der Länder und für die mehr als 400.000 Leiharbeiter auslaufen.

In diesem Tarifjahr hatten bereits die Metall- und Elektroindustrie für 3,8 Millionen Beschäftigte sowie der Bau für insgesamt rund 785.000 Arbeiter langfristige Einigungen erzielt, die wie der Chemie-Abschluss bei vergleichsweise geringer Inflation zu kräftigen Reallohnsteigerungen führen dürften. Alle Verträge sind zudem auf annähernd zwei Jahre abgeschlossen.