Sozial-Berufe

In Deutschland gibt es schlechte Bezahlung für gute Taten

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Klaus Brandt

Foto: Klaus Kohn / epd

Eine aktuelle Studie offenbart eine starke Benachteiligung sozialer Berufe. Männer sind dabei noch schlechter gestellt als Frauen.

Berlin/Hamburg.  Gleiches Geld für gleiche Arbeit? Nicht in Deutschland. Beim Gehalt hört der vielfach beschworene Gleichheitsgrundsatz auf. Besonders Menschen in sozialen Berufen bekommen das zu spüren. Sie verdienen oft deutlich weniger als Beschäftigte in anderen Bereichen. Das dokumentiert eine aktuelle Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Danach liegen zwischen sozialen Jobs und gleichwertigen Tätigkeiten in anderen Bereichen monatlich mehr als 500 Euro Differenz. Eine Überraschung: Männer bekommen weniger als Frauen.

Politisch lag der Fokus zuletzt mehr auf Unterschieden zwischen den Geschlechtern: Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht „eine große Ungerechtigkeit“ in der ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern. Schwesig hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der dies ändern soll.

Einige Forderungen gehen der CDU zu weit

Die Koalition streitet über das Papier. Einige Forderungen gehen der CDU zu weit. Etwa der darin vorgesehene Auskunftsanspruch: Frauen sollen erfahren können, was Kollegen, die das Gleiche machen, im Durchschnitt verdienen. Zumindest in Sozialberufen würden sie eine Überraschung erleben.

Im Vergleich fanden die Forscher Elisabeth Bublitz (HWWI) und Tobias Regner (Uni Jena) heraus, dass die Gehaltseinbußen bei Männern höher ausfallen. In der Breite seien jedoch Frauen häufiger von finanziellen Abschlägen betroffen, weil generell mehr Frauen als Männer in Sozialberufen tätig sind.

Insgesamt sind Menschen in sozialen Berufen beim Einkommen stark benachteiligt. Die Studie ermittelt für ausgewählte Berufe eine Differenz von 533 Euro monatlich zwischen Sozialberufen und solchen mit gleichwertigen Tätigkeiten.

Bezahlung von 259 Berufen verglichen

Die Wissenschaftler verglichen in einem komplexen Verfahren die Bezahlung von 259 verschiedenen Berufen. Aus 54 Berufsfeldern identifizierten sie zunächst fünf, die Sozialberufe umfassen. Zu diesen Berufen fanden sie im Durchschnitt 33 andere Berufe, die als ähnlich anzusehen waren.

Diese Ähnlichkeit erschließt sich oft nicht auf den ersten Blick, sondern geht auf tiefer liegende Kriterien im Bereich der ausgeführten Tätigkeiten zurück. So sind zum Beispiel Krankenschwestern und Hebammen in diesem Rahmen vergleichbar mit Fluglotsen, Formgießern oder Maschinenwärtern. Die vorsichtige Interpretation der vorhandenen Daten ermögliche die Aussage, dass die Sozialberufe unterbezahlt sind und die Berufstätigen das auch so empfinden. Die betroffenen Beschäftigten seien mit ihrer Bezahlung unzufrieden.

Unzufriedenheit führt zu einer Abwärtsspirale

Ihre vergleichsweise höhere Arbeitszufriedenheit gleiche den Frust über das wenige Geld nicht aus – „auch wenn es schwierig ist, diese beiden ‚Belohnungen‘ direkt miteinander zu vergleichen“, so die Forscher.

„Nun könnte man annehmen, dass die Personen in Sozialberufen auf einen Teil ihres Einkommens verzichten, weil sie einen höheren Nutzen aus ihren Arbeitsinhalten ziehen“, erläutert Elisabeth Bublitz. Anhand von Befragungsdaten lasse sich dieser Zusammenhang empirisch aber nur schwer überprüfen.

Ein Laborexperiment mit Studenten jedenfalls zeigte, dass die Teilnehmer als Gegenleistung für soziale Beiträge eine ähnliche Bezahlung wie für gleichwertige Arbeit erwarten. Das wurde ihnen in dem Experiment von den Personen in anderen Berufen aber nicht zugestanden. Die Folge: Durch Unzufriedenheit und Verärgerung der jeweiligen Berufsgruppe entstand eine Abwärtsspirale, durch die der soziale Beitrag insgesamt sank.

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