Zahlungsmethoden

Warum sich das Bargeld so hartnäckig hält

Nur Bares ist Wahres? Die Deutschen lieben Scheine und Münzen.

Nur Bares ist Wahres? Die Deutschen lieben Scheine und Münzen.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Die Deutschen hängen immer noch an Scheinen und Münzen. Doch alternative Zahlungsmethoden werden auch hierzulande immer beliebter.

Frankfurt/Main.  Mancher Volkswirt würde Bargeld am liebsten abschaffen. Doch Schein und Münze sind in Deutschland äußerst beliebt, obwohl es immer ausgefeiltere Angebote gibt, mit Plastikkarte oder Smartphone-App zu bezahlen. Während Schweden und Dänemark ihren Zahlungsverkehr radikal digitalisieren, zahlen die Menschen in Deutschland nach wie vor hauptsächlich bar: Bei 79 Prozent der Transaktionen, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Gut die Hälfte der Umsätze im Einzelhandel werden mit Bargeld abgewickelt.

Für das Bargeld spricht einiges, etwa die Ausgabenkontrolle: Barzahler haben das Gefühl, ihre Ausgaben besser im Griff zu haben. Sind die 103 Euro ausgegeben, die Menschen der jüngsten Bundesbankerhebung zufolge im Schnitt im Geldbeutel haben, ist die Hürde zu weiteren Anschaffungen höher. Jeder Fünfte, der ausschließlich bar zahlt, gab in der Umfrage an, es einfach schön zu finden, Scheine in der Hand zu haben.

Barzahlungen schützen die Privatsphäre

Wer mit Schein und Münze zahlt, hinterlässt an der Ladenkasse zudem keine elektronischen Spuren. Barzahlungen schützten die Privatsphäre, argumentiert Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele: „Dass davon auch weniger rechtschaffene Personen profitieren, ist kein Grund, die ehrlichen Bürgerinnen und Bürger immer gläserner werden zu lassen.“ Die Sorge vor dem Klau sensibler Bankdaten bei der Nutzung von Plastikgeld ist groß – auch wenn die jüngsten Zahlen zum „Skimming“ eigentlich für Beruhigung sorgen sollten: Das Ausspähen von Kartendaten und Geheimnummer (PIN) an Geldautomaten in Deutschland ist seit Jahren rückläufig.

Europas Notenbanken haben bislang Banknoten im Wert von mehr als einer Billion Euro herausgegeben. Doch nur 15 Prozent davon werden zu Transaktionen genutzt. Der Großteil wird gehortet – getreu der Devise: „Nur Bares ist Wahres“. Was wären etwa die Spendenbüchse auf der Einkaufmeile, der Kollektenkasten in der Kirche oder der Hut des Obdachlosen ohne Schein und Münze? Auch bei Straßenhändlern und auf Flohmärkten sind elektronische Zahlungsmittel – seien es EC-Karte, Kreditkarte oder mobil per Handy – kaum vorstellbar. In mancher Kirche kann bereits der „elektronische Klingelbeutel“ gefüllt werden: Das Geld wird überwiesen, der Spender bekommt eine Bescheinigung fürs Finanzamt. Was wird aus dem Weltspartag, wenn es kein Bargeld mehr gibt? Seit 1925 soll der Tag Jahr für Jahr am letzten Werktag im Oktober die Menschen zum Sparen animieren. Sparschweine wären in einer bargeldlosen Gesellschaft überflüssig – und Kinder fit zu machen für das abstrakte Thema Finanzen, würde ungleich schwieriger.

„Bargeld ist eklig“

Bargeld hat an sich einige Nachteile: Es kostet Geld. Scheine müssen gedruckt, Münzen geprägt werden. Werttransporteure bringen die wertvolle Fracht von A nach B, dickwandige Tresore sollen Diebe abhalten. Allerdings sind auch elektronische Bezahlverfahren nicht zum Nulltarif zu haben und müssen in puncto Sicherheit permanent weiterentwickelt werden. Ohne Bargeld gäbe es weniger Schwarzarbeit, Drogengeschäfte und Geldwäsche würden eingedämmt, sagen Befürworter einer bargeldlosen Gesellschaft. Doch wer illegale Geschäfte machen will, könnte auf andere Währungen ausweichen. Auch virtuelle wie Bitcoins, die sich der Kontrolle von Zentralbanken entziehen, könnten dafür genutzt werden.

„Bargeld ist eine eklige Angelegenheit“, so drastisch formuliert es die Kreditkartenfirma Mastercard. Der Anbieter der bargeldlosen Zahlungsabwicklung sieht sich durch Studien und Umfragen bestätigt: 26.000 potenziell gesundheitsschädliche Bakterien tummeln sich demnach auf einer durchschnittlichen europäischen Banknote. Und zwei Drittel der Europäer seien überzeugt, dass der Umgang mit Münzen oder Banknoten unhygienisch sei und Dreck an den Fingern hinterlasse.