Karlsruhe

Heftiges Ringen um Prokon

Gläubigerversammlung entscheidet am Donnerstag über Zukunft der insolventen Windenergie-Firma aus Itzehoe

Karlsruhe. Der Energiekonzern EnBW will Prokon haben und wirbt auf allen Kanälen für sich und seine Pläne mit der insolventen Windenergiefirma aus Itzehoe. Starker Gegenwind schlägt dem drittgrößten Energieversorger Deutschlands jedoch von Prokon-Freunden entgegen. Experten sagen für die Abstimmung der Gläubigerversammlung an diesem Donnerstag (2. Juli) ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus.

Doch warum will EnBW Prokon überhaupt haben? Der Erwerb der Windenergiefirma Prokon wäre der Coup schlechthin in der bislang knapp dreijährigen Amtszeit von EnBW-Chef Frank Mastiaux. Mit den 54 Windparks des insolventen Unternehmens aus Itzehoe würde der Karlsruher Versorger seine Windenergie-Kapazitäten auf einen Schlag von 200 Megawatt auf deutlich über 700 Megawatt mehr als verdreifachen. Bis 2020 will EnBW ohnehin 2000 Megawatt aus Windenergie beziehen – der Prokon-Coup wäre da schon fast die halbe Miete.

Zudem geht das Unternehmen vergleichsweise wenig Risiko ein: Es will nur die Windparks, also den werthaltigen Teil von Prokon, übernehmen. Außerdem hat EnBW mit seinen Windparks auf offener See noch einige Probleme solange nicht klar ist, wie der Strom von dort in den Süden kommt. EnBW braucht daher jetzt mehr Windkapazität an Land, um seine selbst gesteckten Ziele zu erreichen – da kommt Prokon gerade recht. Die stärkere Management-Kompetenz ist auch aus Sicht des Energie-Experten Marc Kuhn von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg ein Plus für das Investorenmodell. „Die Frage ist, ob genossenschaftliche Eigner Prokon so führen könnten, wie es für eine Genossenschaft dieser Größe nötig wäre“, erklärt er: „Manchmal braucht man jemanden, der einfach sagt, wo es langgeht.“

Die Befürworter des Genossenschaftsmodells wollen aber gar nicht „gerettet“ werden. Sie wollen ihr Geld, das sie in Prokon gesteckt haben, nicht einfach zur Hälfte verloren geben und hoffen darauf, dass die Firma, einmal saniert, wieder auf die Beine kommt und Profite abwirft. Außerdem: Bei der Neuerschließung von Windparks – Prokon hat nach eigenen Angaben noch 170 solcher Projekte mit 4000 Megawatt in der Pipeline – „sind Genossenschaften in der Regel erfolgreicher als große Konzerne“, sagt Kuhn. „Dezen­trale Initiativen müssen im Gesamtkonzept der Energiewende unbedingt dabei sein.“ EnBW selbst brachte übrigens auch eine Beteiligung von Bürgern ins Spiel, wie schon bei anderen Windparkprojekten – dies aber erst, wenn der Kauf unter Dach und Fach ist.

Wie die Entscheidung der Gläubigerversammlung ausfallen wird, ist offen, sagt Experte Kuhn. „Ein Kanter-Sieg für EnBW wird das mit Sicherheit nicht.“