Tarifverdienste um 3,1 Prozent gestiegen

Nach Abzug der Inflationsrate bleibt Beschäftigten noch ein ordentliches Plus

Wiesbaden. Nun ist es amtlich: Die Tarifgehälter sind im vergangenen Jahr in Deutschland kräftig gestiegen. Einschließlich der vereinbarten Sonderzahlungen markierten sie mit 3,1 Prozent Plus sogar einen Rekord – allerdings in einer Statistik, die erst seit 2011 erhoben wird. Die tariflichen Grundgehälter ohne die fest vereinbarten Zulagen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld sind laut Destatis in den Jahren 2008 und 2012 stärker gestiegen als 2014. Der große Unterschied: Im gerade abgelaufenen Jahr lag die Inflation mit 0,9 Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau, sodass die Arbeitnehmer für ihr Geld im Schnitt deutlich mehr Waren kaufen konnten.

Im vergangenen Jahr sind die Tariflöhne nach Abzug der Teuerung um 2,2 Prozent gestiegen, hat das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung bereits in der vergangenen Woche vorgerechnet. Zuletzt war 2009 eine solch starke Steigerung registriert worden. Auch die übrigen Beschäftigten profitierten von der auseinandergehenden Schere von Verbraucherpreisen und Entgelt: Ihre Löhne und Gehälter legten laut WSI preisbereinigt um 1,8 Prozent zu. In Deutschland waren 2010 nur noch 55 Prozent der Arbeitnehmer tarifgebunden beschäftigt. Die Bundesstatistik hat diese Reallohnentwicklung noch nicht bestätigt, lag aber nach dem dritten Quartal 2014 auf der gleichen Linie. Bis dahin war ein Reallohnplus von 1,7 Prozent aufgelaufen, hatten die Wiesbadener Statistiker berichtet.

Die niedrige Inflation wird nach Einschätzung von Experten auch 2015 anhalten. Bei den Tarifverhandlungen sind nach dem ruhigen Jahr 2014 nun die industriellen Schwergewichte Metall/Elektro und Chemie am Start, sodass gerade für mehr als vier Millionen Beschäftigte neue Gehälter und Arbeitsbedingungen ausgehandelt werden. Auf besonders niedrige Abschlüsse deutet nichts: Sowohl die IG Metall als auch die IG BCE haben in der jüngeren Vergangenheit meist überdurchschnittlich hohe Zuwächse ausgehandelt. Die volkswirtschaftlichen Folgen der erst seit 2010 nahezu kontinuierlich steigenden Reallöhne sind zweischneidig. Insbesondere bei einer guten Beschäftigungslage sorgen sie für einen stärkeren privaten Konsum, der als Stütze des Mini-Aufschwungs gilt. Auf der anderen Seite steigen die Lohnstückkosten. Bei gleichbleibender Qualität sinken so die Exportchancen.