39 Monate Haft für Middelhoff gefordert

Essen. Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat nach Auffassung der Staatsanwaltschaft seine Treuepflichten verletzt und dem inzwischen pleitegegangenen Konzern geschadet. Middelhoff habe die frühere Karstadt-Mutter „nach Gutdünken“ mit Kosten seiner zahlreichen externen Nebentätigkeiten belastet, sagte Staatsanwalt Helmut Fuhrmann am Donnerstag in seinem Plädoyer vor dem Essener Landgericht. Bei Reisen mit Arcandor- und zugleich mit privaten Terminen hätten die Kosten zumindest aufgeteilt werden müssen. Die Staatsanwaltschaft forderte daher wegen Untreue eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Der 61-Jährige habe seine Treuepflichten verletzt und dem inzwischen pleitegegangenen Konzern in 44 Fällen geschadet. Middelhoffs Verteidiger kündigte an, in der kommenden Woche auf Freispruch zu plädieren.

Hauptsächlich geht es um Flüge mit Chartermaschinen, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Ankläger aber ganz oder teilweise privat veranlasst waren. Wenn sich Middelhoff auf Termindruck und Zeitnot berufe, sei dies in vielen Fällen nicht Arcandor anzulasten, sondern seinen zahlreichen externen Mandaten, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Auch Flüge in sein Feriendomizil in Saint-Tropez in Südfrankreich habe er dienstlich abrechnen lassen. Die Kosten für Flüge zwischen dem Wohnsitz in Bielefeld und dem Arbeitsplatz in Essen müssten von ihm privat getragen werden. So habe dem Manager jederzeit ein Dienstwagen mit Fahrer und eine Dienstwohnung zur Verfügung gestanden. Fuhrmann: „Wohnt man zu weit weg, oder sind die Verkehrswege schlecht, dann muss man umziehen.“