Verluste und ein neuer Finanzchef

Fehlbetrag bei der Deutschen Bank von 92 Millionen Euro. Manager von Goldman Sachs kommt

Frankfurt. Die Deutsche Bank ist in die Verlustzone gerutscht und tauscht ihren Finanzchef aus. Zugleich wird der gesamte Vorstand umgebaut. Zahlreiche Rechtsstreitigkeiten belasten das Kreditinstitut schwer. Der neue Finanzvorstand kommt von Goldman Sachs: Marcus Schenck war erst vor einem Jahr zu der Investmentbank gewechselt, zuvor war er langjähriger Finanzvorstand beim Energiekonzern E.on. Er wird bei der Deutschen Bank Stefan Krause ablösen, der künftig das neue Vorstandsressort für die strategische Entwicklung übernimmt.

Die Liste der Rechtsstreitigkeiten bei der Deutschen Bank ist lang

Im dritten Quartal rutschte die Deutsche Bank mit einem Fehlbetrag von 92 Millionen Euro in die roten Zahlen, wie die Bank am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Vor einem Jahr standen noch 51 Millionen Euro Überschuss. Es ist der dritte Quartalsverlust in der seit zweieinhalb Jahren dauernden Amtszeit der Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Für die Rechtsrisiken werden nunmehr rund drei Milliarden Euro zurückgestellt, 894 Millionen mehr als zuvor. Da ein Großteil steuerlich nicht abzugsfähig ist, fiel die Steuerbelastung verglichen mit dem Vorjahr drastisch höher aus. Das Vorsteuerergebnis von 18 Millionen Euro von vor einem Jahr stieg indes auf 266 Millionen Euro. Dabei profitierte die Bank auch von einem wieder stärkeren Investmentbanking.

Was die Aufarbeitung der juristischen Baustellen angeht, so ist ein Ende nicht in Sicht. „Beim Blick voraus ist kurzfristig weiterhin mit Gegenwind zu rechnen“, so Jain und Fitschen. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, beschloss der Aufsichtsrat einen weitreichenden Umbau im Vorstand. Nach einer Übergangszeit soll der Goldman-Sachs-Manager Schenck nach der Hauptversammlung am 21. Mai 2015 das Finanzressort übernehmen. Der bisherige Finanzchef Stefan Krause wird vom 1. November an schon für das neue Ressort Strategie und Organisationsentwicklung zuständig sein. Zudem bekommt die Bank mit Christian Sewing einen neuen Rechtsvorstand.

Die Liste der Rechtsstreitigkeiten ist lang und einer der größten Unsicherheitsfaktoren für das Institut. Beispielsweise manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken über Jahre die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Die Deutsche Bank akzeptierte Ende 2013 eine EU-Strafe. In den USA und Großbritannien steht eine Einigung noch aus. Die könnte nun kommen – die Bank bestätigte im Quartalsbericht direkte Verhandlungen mit den Behörden. Zu einer Erfolgsgeschichte scheint sich hingegen die Vermögensverwaltung zu entwickeln. Die Sparte verzeichnete das dritte Quartal in Folge Zuflüsse – diesmal 17 Milliarden Euro.