Zehn neue dm-Filialen pro Jahr

Drogeriekette will in Hamburg und Umgebung weiter wachsen. Neue Konzernzentrale wird von ECE geplant

Hamburg. Deutschlands größte Drogeriekette dm treibt die Expansion unaufhörlich voran und nimmt dabei auch immer mehr den Hamburger Markt ins Visier. Das Karlsruher Unternehmen plane für das nächste Jahr insgesamt die Eröffnung von rund 170 neuen Märkten in der Bundesrepublik, kündigte Konzernchef Erich Harsch am Donnerstag bei der Vorlage der diesjährigen Bilanz an. 160 Millionen Euro sollen investiert werden.

In Hamburg ist dm mit gerade einmal zwölf Filialen innerhalb der Stadtgrenzen und insgesamt 18 Geschäften in der Metropolregion bislang eher schwach vertreten. Dies hängt vor allem mit der starken Präsenz des lokalen Marktführers Budnikowsky zusammen, der über ein Netz von rund 180 Geschäften verfügt, außerhalb des Nordens aber praktisch keine Rolle spielt.

„Wir werden jährlich zwei neue Geschäfte in Hamburg und insgesamt etwa acht bis zehn im weiteren Umfeld aufmachen“, sagte der zuständige Geschäftsführer für den Bereich Expansion, Markus Trojansky. Insgesamt seien 50 bis 60 Märkte in der Metropolregion denkbar.

Als Nächstes werden noch in diesem Herbst eine neue dm-Filiale in Quickborn und eine weitere in Henstedt-Ulzburg an den Start gehen, gefolgt von einem Markt in Rellingen. Im Zentrum Hamburgs wird im Februar oder März kommenden Jahres ein zusätzliches Geschäft am Großen Burstah eröffnen, Ende 2015 soll noch ein Markt in Langenhorn hinzukommen. Für 2016 sehen die dm-Planungen die Eröffnung einer Drogerie in Wandsbek im neuen Einkaufszentrum W1 sowie eines Geschäfts an der Stresemannstraße vor.

„Wir würden gern noch mehr Märkte in Hamburg in Angriff nehmen, doch die Suche nach geeigneten Flächen ist ausgesprochen schwierig“, sagte Trojansky. Hauptkonkurrenten seien weniger die anderen Drogerieketten, sondern eher große Biomärkte wie Denn’s oder die Bio Company, die auf der Suche nach sehr ähnlichen Flächen wie dm seien.

Der bundesweite Marktführer hat Hamburg erst seit Kurzem in den Fokus genommen. Lange Zeit hielten sich die Karlsruher zurück, weil sie ohnehin schon mit ihren großen Eigenmarken wie beispielsweise Balea bei Budnikowsky in den Regalen standen.

Im Frühjahr dieses Jahres aber hat Budni diese Kooperation aufgekündigt, weil sich die Hamburger mit selbst entwickelten Marken verstärkt profilieren wollen. Diese reichen von diversen Gesichts- und Körperpflegeartikeln über die neue Zahnpflegeserie Budni Dent bis hin zu Hygiene- und Babyartikeln. Mitte des Jahres hatte Budni-Chef Cord Wöhlke eine durchaus positive Zwischenbilanz nach Einführung der neuen Produkte gezogen. Mit rund 600 reinen Budni- und Partnermarken erreiche man schon jetzt etwa 70 Prozent des Umsatzes, den man zuvor mit 1500 dm-Produkten erwirtschaftet habe.

Nach den Worten Trojanskys sind viele Kunden aber trotz der groß angelegten Budni-Offensive den alten dm-Marken treu geblieben. „Wir verzeichnen eine höhere Frequenz in unseren Hamburger Märkten, weil die Kunden jetzt bei uns nach ihren Lieblingsprodukten suchen“, sagt er. Schwer falle vielen Verbrauchern nicht nur die Umstellung im Kosmetikbereich, sondern beispielsweise auch bei der Tiernahrung. „Einen Hund oder eine Katze können Sie nicht über Nacht an ein neues Futter gewöhnen.“

Investieren will dm in den kommenden Jahren nicht nur in den Ausbau des Filialnetzes, sondern auch in den Bau einer neuen Konzernzentrale. Rund 100 Millionen Euro soll der Komplex in Karlsruhe kosten, für den der Hamburger Einkaufszentrumsbetreiber und Immobilienentwickler ECE als Generalplaner engagiert wurde. Dm steht schon seit Langem in engen Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen von Alexander Otto, da die Drogerien in zahlreichen ECE-Shoppingcenters präsent sind.

Insgesamt laufen die Geschäfte gut für die Karlsruher. Im abgelaufenen Jahr (Stichtag 30. September) hat das Unternehmen den Umsatz um 8,2 Prozent auf 8,32 Milliarden Euro steigern können. In Deutschland wurde erstmals die Sechs-Milliarden-Euro-Marke überschritten, was einem Plus von 9,6 Prozent entsprach. Damit kommt das Unternehmen zwar nicht mehr ganz an die zweistelligen Zuwachsraten der Vergangenheit heran, kann seine Stellung als Branchenprimus aber verteidigen. Dm steht seit der Schlecker-Pleite vor zweieinhalb Jahren unangefochten an der Spitze deutscher Drogeriemärkte – vor Rossmann und Müller. Das Unternehmen zählt europaweit mehr als 3000 Märkte, bundesweit arbeiten bei dm über 36.000 Menschen, konzernweit sind es 52.000.