Mindestlohn verteuert Taxifahrten

Branchenverband will bundesweit Tariferhöhungen von durchschnittlich 25 Prozent beantragen

Hamburg. Taxifahren in Deutschland wird teils deutlich teurer. „Im Bundesdurchschnitt müssen wir Tariferhöhungen von 25 Prozent beantragen“, sagte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands (BZP), Michael Müller. In einigen Regionen könnten es sogar 50 oder 60 Prozent sein, wie etwa in Mecklenburg-Vorpommern. Einige Kommunen haben bereits Erhöhungen beschlossen: So müssen in Hamburg Taxikunden schon seit dem 1. Oktober durchschnittlich 1,40 Euro oder 7,8 Prozent mehr pro Fahrt zahlen.

„Wir müssen die 8,50 Euro Mindestlohn realisieren“, begründete Müller. Vom 1. Januar 2015 an gilt für die bundesweit 200.000 bis 220.000 angestellten Taxifahrer der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Derzeit beträgt der Durchschnittslohn der Fahrer nach Angaben des Verbands zwischen sechs Euro und 6,50 Euro pro Stunde. Zahlreiche Taxiverbände hätten bereits in Hunderten Städten und Landkreisen Tariferhöhungen von bis zu 30 Prozent beantragt. In Dresden habe der Stadtrat Tariferhöhungen beschlossen, die Mitte Dezember in Kraft treten sollen: Dort sollen die Preise pro Kilometer um 20 bis 30 Cent steigen.

Den Verlust von Kunden – etwa an Konkurrenten wie das US-Unternehmen Uber, das über einen Smartphone-Dienst Fahrgäste an private Fahrer vermittelt – befürchtet das Taxigewerbe wegen höherer Fahrpreise zunächst nicht. „Bisher haben Tarifanhebungen nie zu einer Abwanderung von Kunden geführt“, sagte Verbandspräsident Müller. „Das waren aber auch nur Erhöhungen von zwei bis drei Prozent. Was bei 25 Prozent passiert, kann niemand abschätzen.“ Der Verband befürchtet aber, dass zum Jahreswechsel 50.000 bis 70.000 Taxifahrer ihren Job verlieren könnten, weil Unternehmen die höheren Lohnkosten nicht tragen können. Nach Verbandsangaben gibt es in Deutschland 28.000 Taxiunternehmen mit 58.000 Fahrzeugen.