Booking.com zieht nach Hamburg

Weltgrößter Internetvermittler von Hotelzimmern eröffnet Büro in der Hansestadt. Konzern will in Deutschland stärker wachsen

Hamburg. Bei der Ansiedlung von zukunftsträchtigen Unternehmen hat die Stadt einen weiteren Schritt in Richtung Internationalisierung gemacht. Booking.com, das nach eigenen Angaben weltgrößte Internetportal für Hotelzimmer und andere Mietunterkünfte, hat eine Repräsentanz in Hamburg eröffnet. „Im Moment haben wir acht Mitarbeiter, aber es sollen noch mehr werden“, sagt Judith Figas, Leiterin des Büros, das von der Maklerfirma DTZ vermittelt wurde. Deutschland zählt für das Unternehmen zu den Hauptmärkten mit großen Wachstumsmöglichkeiten. Innerhalb der vergangenen 18 Monate hat Booking.com die Zahl seiner Standorte in Deutschland verdoppelt und beschäftigt aktuell rund 800 Mitarbeiter in sechs Büros in vier Städten in Deutschland. Allein 327 Hamburger Hotels sind auf dem Reservierungsportal gelistet. Im Fall der Vermittlung eines Zimmers erhält Booking.com eine Provision.

Die Mitarbeiter in dem 400 Quadratmeter großen Büro in der Straße Vorsetzen betreuen ihre Hamburger Hotelkunden und sind auf der Suche nach weiteren Häusern in Norddeutschland, die sie als Zimmervermittler unter Vertrag nehmen können. Allein in Schleswig-Holstein konnte Booking.com bislang rund 1500 Hotels für sich gewinnen. „Es gibt noch Luft nach oben“, sagt Figas. Hamburg sei touristisch gesehen eine sehr attraktive Stadt. Schon im Jahr 2003, als das Internet immer mehr Wege öffnete, um Geschäfte online abzuwickeln, kam das niederländische Unternehmen nach Berlin und eröffnete dort die erste Filiale in Deutschland. Zwei Jahre später wurde Booking.com von dem US-Unternehmen Priceline.com übernommen. Die Amerikaner gehören zu den Schwergewichten an der US-Börse, aktuell kostet die Aktie umgerechnet 922 Euro.

Ein gutes Dutzend Portale, die sich auf den Hotel- und Reisemarkt spezialisiert haben, tummeln sich derzeit auf dem deutschen Markt. Die Konkurrenz betrachtet das Vorgehen des Weltmarktführers skeptisch, unter anderem auch deshalb, weil sich Booking.com derzeit eine milliardenschwere Werbekampagne im deutschen Fernsehen leistet. Da können die meisten anderen Konkurrenten finanziell nicht mithalten. „Während die Mehrheit der deutschen Portale eher mittelständisch organisiert ist, haben wir es bei Priceline mit einem großen Konzern zu tun, der sehr gut mit Kapital ausgerüstet ist“, sagt ein Insider der Branche, die um jeden Kunden kämpft. „Die geben richtig Gas“, meint auch auch Michael Buller, Vorstand vom Verband Internet-Reisevertrieb (VIR).

Die Portale sind nicht unumstritten. So beklagt der Hamburger Hotel- und Steakhausunternehmer Eugen Block die rund 15 Prozent Gebühren, die die Vermittler verlangen. Block will die Zimmer in seinem Hotel Grand Elysée in Hamburg deshalb nun in Eigenregier vermarkten. Zudem musste das Hotelportal HRS eine Niederlage einstecken. Das Bundeskartellamt untersagte HRS eine „Bestpreisklausel“ in den Verträgen. Damit wurden die angeschlossenen Hotels verpflichtet, immer den besten Tarif für Kunden des Onlinevermittlers zu garantieren. Als Folge der Untersagung dürfen die Hoteliers nun ihre Zimmerpreise an der Rezeption wieder selbst festlegen.

74 Prozent der Deutschen haben aktuell einen Internetzugang, das sind doppelt so viele Haushalte wie im Jahr 2001. Diese Entwicklung begünstigt den Trend zu Onlinereisen. Für Verbraucher sind die Portale wie HRS, Opodo, das seinen Deutschland-Sitz in Hamburg hat, Fluege.de, Booking.com oder Expedia optimal, wenn sie eine Reise planen wollen. Interessenten können bei den verschiedenen Anbietern zum Beispiel die Preise für ein zuvor ausgewähltes Hotelzimmer oder eine Pauschalreise vergleichen, sich den besten Anbieter aussuchen oder eine Reise auf den Portalen im Baukastensystem selbst zusammenstellen. Das dauert nur ein paar Clicks.

Was für die Kunden praktisch ist, beschert einer alteingesessenen Branche Probleme. Seit dem Jahr 2004 ist die Zahl der Reisebüros in Deutschland massiv von 13.753 auf nur noch 9729 Anbieter zurückgegangen. Gleichzeitig sind laut Sibylle Zeuch vom Deutschen ReiseVerband die Umsätze der übrig gebliebenen Unternehmen gestiegen. „Einen Flug, etwa von München nach Paris, kann man online schnell buchen. Aber die Planung komplexer Reisen, die zum Beispiel eine Bahnfahrt im Ausland beinhalten, werden meist den Reisebüros überlassen“, so Zeuch.

„Fast jede Reise startet im Internet“, sagt Buller. 70 Prozent der Flüge würden bereits online am Reisebüro vorbei gebucht. Hinzu kommen 40 Prozent der Übernachtungen und 70 Prozent der individuell zusammengestellten Reisen, die per Mausklick geplant werden. Der Trend zum Onlinebuchen werde sich auch in Zukunft fortsetzen, sagt der VIR-Vorstand. Dies zeige sich auch bei Pauschalreisen, von denen nur noch 30 Prozent im Reisebüro gebucht würden.

Die typische Flugpauschalreise deutscher Urlauber führt zwei Personen übrigens für sieben Tage in ein Vier-Sterne-Hotel in der Nähe der Flughäfen Antalya in der Türkei oder von Palma de Mallorca, so eine Studie von der Internet-Vertriebsplattform TravelTainment. Die Buchenden sind 41 bis 50 Jahre alt, haben zwischen 1000 und 1500 Euro pro Buchung bezahlt und die Reise mindestens ein Vierteljahr im Voraus gebucht. Beim Urlaub lassen sich die Deutschen nur ungern auf Experimente ein.