Drei Prozent mehr Lohn? Bundesbank erhitzt die Gemüter

Während sich die IG Metall freut, sieht Ökonom Glaubwürdigkeit der Notenbank beschädigt

Frankfurt. Die IG Metall sieht sich in der Diskussion um anstehende Tariferhöhungen durch die Bundesbank bestätigt. „Präsident Jens Weidmann hat exakt die Berechnung des verteilungsneutralen Spielraums beschrieben, an der wir uns auch orientieren“, sagte der Leiter der IG-Metall-Tarifabteilung, Stefan Schaumburg. Eine Einflussnahme in die Tarifpolitik könne er in den Äußerungen Weidmanns und anderer Notenbanker nicht sehen. Kritik am Bundesbank-Chef kam dagegen vom Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Durch die Debatte leide die Glaubwürdigkeit der Bundesbank, schreibt Hüther im Magazin „Focus“.

Der Bundesbank-Chef hatte sich für deutliche Lohnerhöhungen von um die drei Prozent im Rahmen der Summe aus Inflationszielrate und Produktivitätswachstum ausgesprochen. Hinter den auch von der Europäischen Zentralbank geteilten Einschätzungen der deutschen Währungshüter steht die Erwartung, dass hohe Lohnabschlüsse in Deutschland die ungewollt niedrigen Verbraucherpreise im Euro-Raum wieder nach oben treiben könnten. Weidmann hatte aber auch vor Abschlüssen weit oberhalb der Produktivitätszuwächse gewarnt.

Die Argumente der Bundesbank seien nachvollziehbar, da es ihr ausschließlich um die Geldwertstabilität gehe, sagte Schaumburg. Die IG Metall befürchte zwar aktuell keine Deflation, sehe aber durchaus am Beispiel Japan die Gefahren dauerhaft stagnierender oder gar fallender Preise für eine Industrienation. „Wir haben uns oft genug über die Bundesbank geärgert, wenn sie mal wieder im aus unserer Sicht falschen Moment zur Lohnzurückhaltung aufgerufen hat. Warum sollen wir uns jetzt nicht freuen, wenn sie mal unserer Meinung ist?“

IW-Chef Hüther kritisiert Weidmann dagegen in einem Gastbeitrag für den „Focus“: „Es gibt keinen Grund, der Lohnpolitik eine Abkehr von der Beschäftigungsorientierung anzuraten“, schreibt Hüther. Angesichts von knapp 2,9 Millionen Arbeitslosen sei es wichtig, den Lohnerhöhungsspielraum nicht auszuschöpfen. Hüther ist der Auffassung, dass die Debatte über höhere Löhne der Notenbank insgesamt geschadet habe: „Am Ende bleibt, dass die Bundesbank als eigentlich erwartungstreue Institution Erwartungen nicht erfüllt. Gelitten hat dabei die wichtigste Währung der Bank: ihre Glaubwürdigkeit.“

Schaumburg nennt die Reaktion der Arbeitgeber auf Weidmanns Äußerungen unangemessen. Die behaupteten negativen Auswirkungen von Lohnerhöhungen auf den Arbeitsmarkt seien anhand von Daten aus der Vergangenheit nicht belegbar. Dass wegen schrumpfender Gewinne Investitionen ausbleiben könnten, sei ebenfalls nicht nachzuvollziehen. „Es hat auch in den Zeiten sprudelnder Gewinne bei den Unternehmen eine gewisse Investitionszurückhaltung gegeben, die zu Nachholbedarf geführt hat.“