Fusion zur größten deutschen Kirchenbank ist perfekt

Kassel/Kiel. Im Vergleich zum Branchenprimus wie der Deutschen Bank sind Kirchenbanken geradezu winzig. Derzeit gibt es insgesamt knapp ein Dutzend katholische und evangelische Geldinstitute in Deutschland, die meisten gehören dem Volksbanken- und Raiffeisenverbund an. Und in Kürze gibt es noch eine weniger, denn die Evangelische Darlehnsgenossenschaft eG (EDG/Kiel) und die Evangelische Kreditgenossenschaft (EKK/Kassel) schließen sich zur Evangelischen Bank eG zusammen.

Die Generalversammlung der EDG hatte dem Schritt bereits in Hamburg mehrheitlich zugestimmt. In Kassel sprach man sich bei der Tagung der EKK nun zu über 99 Prozent für die Fusion aus. „Unsere Mitglieder haben die zukunftsorientierte Vision der großen und nachhaltig führenden Kirchenbank in Deutschland mitgetragen“, sagte EDG-Vorstandsmitglied Christian Ferchland. „Es ist uns wichtig, uns nicht von äußeren Faktoren beeinflussen zu lassen, sondern unsere Zukunft erfolgreich selbst zu steuern“, so EKK-Chef Thomas Katzenmayer, der auch Vorstandssprecher der neuen Bank wird.

Das neue Institut wird mit einer Bilanzsumme von fast acht Milliarden Euro und etwa 500 Mitarbeitern die größte Kirchenbank Deutschlands. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hatte Ende 2013 rund 98.000 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von 1,6 Billionen Euro.

Was machen Kirchenbanken? Der größte Unterschied zu anderen Geschäftsbanken und Sparkassen sei die Kundenstruktur, sagt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der Technischen Universität Darmstadt. Kunden sind vor allem die Kirchen, die etwa Einnahmen aus Kirchensteuern anlegen, aber auch diakonische Einrichtungen, Kirchenkreise und -gemeinden sowie Privatkunden. Vor rund 100 Jahren hätten Kirchen und Kirchenmitarbeiter als nicht besonders kreditwürdig gegolten, aus diesem Umstand seien dann die Kirchenbanken entstanden.

Die Gründe für die Fusion sind vielfältig. Dazu zählten die aktuelle Niedrigzinsphase, der größerer Wettbewerb, steigende gesetzliche Anforderungen sowie Veränderungen in der Kundenlandschaft. In Kirche und Diakonie gebe es infolge von Zusammenschlüssen zunehmend komplexere Einrichtungen, betont Katzenmayer. Die größere Bank werde benötigt, um auch größere Kreditspielräume zu erreichen. Hauptsitze soll es in Kiel und Kassel geben, juristischer Sitz wird Kassel sein.