Stralsunder Volkswerft steht vor Übernahme

Nordic Yards will 6,5 Millionen Euro für insolventen Schiffbauer bezahlen

Schwerin/Stralsund. Der Weg für den Verkauf der insolventen Stralsunder Volkswerft an die Nordic-Werftengruppe Wismar/Warnemünde ist frei. Nach 20-monatiger Hängepartie sprach sich die Landesregierung in Schwerin als größter Gläubiger am Dienstag für den Verkauf des traditionsreichen Schiffbaubetriebes aus. Dem Vernehmen nach zahlt der russische Nordic-Yards-Eigner Witali Jussufow 6,5 Millionen Euro. Damit stockte Nordic ein früheres Übernahmeangebot nochmals auf.

„Unter den gegebenen Bedingungen ist das aus meiner Sicht die richtige Entscheidung“, sagte Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann. Der Vertrag mit Nordic werde jetzt endverhandelt. Nach der Vertragsunterzeichnung in der ersten Maiwoche könnten dann in der zweiten Maiwoche Gläubigerausschuss und Grundpfandgläubiger dem Vertrag zustimmen. Eine Übernahme durch Nordic soll dann zum 1. Juni erfolgen. „Wenn man die Verhandlungsstände der vergangenen Monate vergleicht, ist das ein gutes Ergebnis.“

Wie in Wismar und Rostock-Warnemünde sollen auch in Stralsund Anlagen für Windparks auf See – wie etwa Umspannplattformen – gebaut werden. Nordic hatte zugesichert, im laufenden Jahr wieder 250 Schiffbauer einzustellen und die Mitarbeiterzahl in den kommenden beiden Jahren zu verdoppeln. Eine solche Beschäftigungsgarantie hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ebenso zur Bedingung gemacht, wie die Zusicherung, dass die Werftübernahme nicht zulasten der bisherigen Nordic-Standorte in Wismar und Warnemünde geht.

Alle fast 1000 Mitarbeiter sollen künftig wieder auf den Werften arbeiten

Ende August 2012 hatten die P+S Werften in Stralsund und Wolgast mit rund 1750 Mitarbeitern Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Für Wolgast wurde mit der ebenfalls auf den Marineschiffbau spezialisierten Lürssen-Werft bereits im Mai 2013 ein Käufer gefunden. Der Verkauf der Stralsunder Werft gestaltete sich indes zäh: Mehrere Bieter wie eine Holding aus Tatarstan hatten sich aus dem Bieterverfahren zurückgezogen. Zuletzt war auch die Errichtung eines maritimen Industrieparks im Gespräch.

„Am Ende werden fast 1000 Mitarbeiter wieder auf den Werften in Wolgast und Stralsund arbeiten“, sagte Insolvenzverwalter Brinkmann. Alle 50 Konstrukteure und Ingenieure der Ship Design Stralsund GmbH sollen mit dem Übergang an Nordic Yards ein sofortiges Arbeitsangebot erhalten.