Firmen setzen auf Naturkosmetik

Hamburger Betriebe wie Hansen & Rosenthal, Pfannenschmidt oder die Eppendorf AG profitieren vom Wachstumsmarkt

Hamburg. Die Skepsis steigt: Kann Aluminium Krebs auslösen? Gibt es auch Peelingcremes ohne Plastikteilchen, die über das Abwasser in die Umwelt gelangen? Wenn Gabriele Deutschmann ihre Kundinnen mit Cremes und Masken verwöhnt, hört sie immer öfter die Frage nach den Inhaltsstoffen der Produkte. „Die Information der Medien über bedenkliche Inhaltsstoffe in konventionellen Kosmetikprodukten nimmt stetig zu“, begründet die Kosmetikerin das Interesse der Frauen an den Rezepturen. Nach der Entscheidung, sich biologisch zu ernähren, sei es für viele Menschen heute auch selbstverständlich, sich mit Naturkosmetik zu pflegen. Die Hamburgerin, die in Eppendorf Gesichtspflege und Massagen anbietet, reagiert auf den Trend: In ihrem Studio Kosmetik für die Sinne setzt sie vornehmlich Produkte ein, die auf natürlichen Zutaten basieren.

Auf die gestiegene Nachfrage nach pflanzlichen Pflegestoffen reagieren auch etliche Hamburger Firmen. Selbst Anbieter aus der Mineralölbranche, die Paraffine als Basis für Cremes bisher aus Erdöl gewonnen haben, stellen um auf Natur. Sasol, Hansen & Rosenthal (H&R), die Eppendorf AG oder Pfannenschmidt-Hamburg präsentierten sich jüngst auf der Messe in-cosmetics, die nach Stationen in Paris oder Mailand erstmals in Hamburg internationales Fachpublikum aus der Schönheitsbranche versammelte.

Nachdem große Anbieter wie Beiersdorf schon länger Naturkosmetikserien anbieten, setzen immer mehr Unternehmen auf den Trend und überbieten sich gegenseitig mit immer neuen Wundermitteln: Sanddornfruchtfleischöl, Extrakte aus Birkenrinde, Beeren und Blüten sollen die Lust auf Pflege noch steigern.

Vegane Rohstoffe für Cremes von Pfannenschmidt

Der Hamburger Lieferant von Naturstoffen für den Einsatz in Nahrungsergänzungen, Lebensmitteln, Tierfutter und Kosmetika setzt verstärkt auf das Geschäft mit der Schönheit. „Wir sehen nicht nur die Tendenz zu Naturkosmetik, sondern auch die Nachfrage nach veganen Rohstoffen“, sagte Inhaber Tom Pfannenschmidt. Die Firma mit 40 Mitarbeitern richte sich danach und liefere beispielsweise Extrakte aus Ginseng oder Gingko für die Weiterverarbeitung in Pflegemitteln.

Statt Raffinerieprodukte pflanzliche Öle von Hansen & Rosenthal

Die Firma Hansen & Rosenthal (H&R) AG mit Sitz im Hafen und 1400 Mitarbeitern ist spezialisiert auf Raffinerieprodukte, die etwa in Gipsplatten oder Sperrholzplatten für die Bauindustrie, aber auch in Reifen verwendet werden. Zu den Wachsen, die H & R liefert, gehört auch der Hautschutz Vaseline, das ebenfalls traditionell aus Erdöl raffiniert wird. „Ab sofort können wir aber auch Biovaseline liefern“, sagt Björn Heuer von H&R. Wesentliche Komponenten seien Rizinusöl, das aus den Samen des Wunderbaums gewonnen wird, und Palmöl. Biovaseline lieferten außer H& R bereits eine Handvoll Unternehmen. Es bleibe allerdings abzuwarten, inwiefern sich diese pflanzliche Variante als Basis für Cremes durchsetze, denn sie sei teurer als Vaseline aus Erdöl. Zudem reagierten viele Menschen allergisch auf die Naturprodukte.

Eppendorf AG wächst mit der Lust auf Pflege

Das Life-Science-Unternehmen präsentiert ein neues Produkt für die Untersuchung von Zellkulturen. Mit dem Set können neuartige Wirkstoffe in der Kosmetik und ihre Wirkung auf Hautzellen geprüft werden. Damit expandiert die Hamburger Firma mit ihren 650 Mitarbeitern in den Kosmetikmarkt. „Wir glauben an den Wachstumsmarkt Kosmetik“, begründet Produktmanagerin Brigitte Klose den Schritt. Zudem könnten medizinische Erkenntnisse aus der Forschung mit verletzter Haut dafür genutzt werden, Ziele wie Hautverjüngung zu erreichen.

Prüffirma SIT profitiert von strengeren Gesetzen

„Cremes werden heute so intensiv getestet wie Schmerzmittel“, sagt Joachim Degwert, Inhaber der Skin Investigation and Technology (SIT), einem Institut für dermatologische Auftragsforschung mit Sitz am Dammtorwall. Die Firma mit 30 Mitarbeitern prüft Produkte aller großen Markenhersteller. Je mehr neue Wirkstoffe die Branche verwende, desto mehr Tests seien erforderlich. Dazu kämen neue Gesetze, wonach Anbieter Produktversprechen auf den Tuben nachweisen müssen. So sei die Werbung „sorgt für Feuchtigkeit“ eher am Produkt zu beweisen als die Aussage „mindert Falten“, sagt Degwert.