Kommentar

Gut gemeint, aber falsch gedacht

Der Trend zu Naturkosmetik erfasst die breite Masse der Verbraucher. Während früher eine kleine Ecke im Reformhaus für die Pflegeprodukte aus Pflanzen reichte, erobern die natürlichen Cremes heute immer mehr Drogerien und Discounter. Viele Konsumenten greifen zur Naturkosmetik, um sich damit ein besseres Gewissen zu erkaufen. Die meist teureren Produkte versprechen die Beschränkung auf Inhaltsstoffe ohne Mineralöle und Silikone, die ausschließlich aus Erdöl gewonnen werden.

Stattdessen suggerieren Bilder mit bunten Blüten, die Kosmetik sei nicht nur besser für die Haut, sondern auch besonders umweltverträglich. Doch hier ist Vorsicht geboten. Werbesprüche wie „ohne Parabene“ oder „keine Tierversuche“ können darüber hinwegtäuschen, dass der Umwelt mit dieser Creme keineswegs geholfen ist, sogar im Gegenteil. Als Ersatzstoff für Mineralöle dient schließlich häufig Palmöl.

Palmöl ist gut zu verarbeiten und das billigste Pflanzenöl. Daher wird es in Kosmetika, in Lebensmitteln und Reinigern eingesetzt. Palmöl ist jedoch auch ein Synonym für Regenwaldzerstörung, für Monokulturen. Eine Kennzeichnungspflicht wird in der EU frühestens 2015 bestehen.

Wer mit Naturkosmetik nicht nur seiner Haut, sondern auch der Umwelt etwas Gutes tun möchte, sollte darauf achten, welche Pflanzen in dem Produkt verarbeitet werden und woher diese kommen. Je mehr sich natürliche Kosmetik im Massenmarkt durchsetzt, desto dringlicher ist diese Sorgfaltspflicht. Denn gut gemeint ist hier zuweilen falsch gedacht.