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Hamburger Flughafen will den Lärm reduzieren

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Bob Geisler

Acht Prozent mehr Passagiere seit Jahresbeginn. Chef Eggenschwiler setzt auf leisere Flieger. Umweltausschuss der Bürgerschaft verabschiedet Zehn-Punkte-Plan.

Hamburg. Die vergangenen Tage waren nicht eben einfach für Flughafenchef Michael Eggenschwiler. Erst torpedierte ein Stromausfall die lange geplante Eröffnung der neuen EasyJet-Basis in Fuhlsbüttel, dann legten die Lufthansa-Piloten mit ihrem dreitägigen Ausstand einen erheblichen Teil des Flugverkehrs am Airport lahm. „Der Streik hat uns bis zu einer dreiviertel Million Euro gekostet“, sagte Eggenschwiler am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Doch die jüngsten Turbulenzen führen nicht dazu, dass Eggenschwiler seinen Optimismus für eine positive Entwicklung im Gesamtjahr verloren hat. „Wir rechnen insgesamt mit einem Wachstum von vier Prozent und sind zuversichtlich, die Marke von 14 Millionen Passagieren erreichen zu können“, so der Flughafen-Chef.

Eggenschwilers Zuversicht speist sich vor allem aus den Erfahrungen der ersten drei Monate des Jahres, in denen sich das Passagieraufkommen im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozent erhöhte. Verantwortlich dafür sind unter anderem viele neue Strecken, besonders von den Billigfluglinien EasyJet, Norwegian und der Lufthansa-Tochter Germanwings, aber auch von etablierten Airlines wie SAS, die künftig elfmal pro Woche nach Stockholm fliegt. Insgesamt 120 Ziele umfasst das Streckennetz nun nach Angaben des Airports. Hinter Frankfurt, München, Düsseldorf und Berlin ist Hamburg der fünftgrößte Flughafen der Republik.

Ausdrücklich begrüßte Eggenschwiler den Zehn-Punkte-Plan zur Reduzierung des Fluglärms, den der Umweltausschuss der Bürgerschaft jüngst verabschiedet hatte (das Abendblatt berichtete). Er sieht unter anderem vor, Direktanflüge über die Walddörfer künftig zu vermeiden, leisere Flugzeuge einzusetzen und die Betriebszeiten des Flughafens strenger zu handhaben.

„Wir sind seit jeher an einer guten Nachbarschaft interessiert“, so Eggenschwiler. „Daher sind wir ständig mit den Airlines im Gespräch, um weitere Verbesserungen beim Lärmschutz zu erreichen.“

Die größten Effekte verspricht sich der Flughafenchef vom Einsatz leiserer und modernerer Maschinen, den der Flughafen schon heute mit Rabatten belohnt. Der Anteil an vergleichsweise leisen Maschinen des Typs A320 und A319 habe seit 2004 deutlich zugenommen, so Eggenschwiler.

Flugbewegungen nach 23 Uhr gibt es nach Eggenschwilers Worten am Hamburger Airport ohnehin nur noch in sehr geringem Umfang. Im ersten Quartal habe deren Zahl bei 57 gelegen. „Das ist fast nichts.“

Gut kommen am Hamburg Airport derzeit die Arbeiten an dem neuen Parkhaus P1 mit rund 2800 Stellplätzen voran, das der Flughafen rechtzeitig zu den Sommerferien in Betrieb nehmen will. „Der milde Winter hat uns hier bei den Bauarbeiten sehr geholfen, wir liegen voll im Plan“, so Eggenschwiler.

Eine endgültige Entscheidung über die Erweiterung des Flughafens um sechs neue Fluggastbrücken wird laut Eggenschwiler in diesem Jahr hingegen wohl noch nicht fallen. Der Airport hat dafür schon mal vorsorglich einen entsprechenden Bauantrag eingereicht. „Wir schauen uns erst einmal die weitere Entwicklung in diesem Jahr an und legen uns dann fest.“

Auch die Fans des Riesenfliegers A380 müssen noch weiter auf regelmäßige Flüge mit dem Super-Airbus von Hamburg aus warten. Die Fluggesellschaft Emirates könnte laut Eggenschwiler eine solche Verbindung frühestens 2016 einrichten. Doch auch in dieser Frage gebe es noch keine endgültige Entscheidung.

Die Bilanz des vergangenen Jahres fällt im Gegensatz zu den positiven Aussichten für 2014 eher durchwachsen aus. So musste der Airport nach Jahren stetigen Wachstums einen empfindlichen Dämpfer hinnehmen. Insgesamt sieben Streiktage, ein sehr langer Winter mit viel Eis und Schnee sowie ein wegen starker Herbststürme sehr eingeschränkter Betrieb an drei Tagen gehörten zu den unvorhergesehen Ereignissen, die zu Belastungen im Millionenbereich geführt hätten, berichtete Eggenschwiler. „Wind kennen wir ja in Hamburg, aber so viel Wind wie im vergangenen Herbst war neu“, meinte er. Auch Insolvenzen und Sparprogramme bei den Fluggesellschaften wirkten sich negativ aus.

Trotz des leichten Rückgangs der Passagierzahlen um 1,4 Prozent auf 13,5 Millionen war der Flughafenchef mit dem Geschäftsjahr 2013 insgesamt zufrieden. Der Umsatz betrug 254,5 Millionen Euro nach 251,5 Millionen im Jahr zuvor. Der Gewinn sank von 39 auf 37,3 Millionen Euro. „Das ist ein recht stabiles Ergebnis“, betonte Eggenschwiler, „darauf sind wir durchaus stolz.“ Immerhin sei in Hamburg einer der wenigen Airports der Branche, der überhaupt einen Gewinn erwirtschafte. 2013 sei für alle Flughäfen ein schwieriges Jahr gewesen.

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