Vattenfall verschärft Sparkurs

Energieversorger leidet unter sinkenden Strompreisen und warnt Branche vor Gewinnrückgang

Stockholm. Den Energiekonzernen in Deutschland drohen schwierige Jahre. Der Grund: Es gibt zu viel Strom auf dem Markt. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall, der in Hamburg Ende des vergangenen Jahres 4200 Mitarbeiter beschäftigte, hat aufgrund geringerer Gewinnaussichten in den kommenden Jahren einen drastischen Sparkurs angekündigt. „Unsere Kosten werden Ende des Jahres wenigstens 20 Prozent niedriger sein als im Jahr 2010“, sagte Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Ein Ende der Talfahrt sei aber noch nicht erreicht. Hatakka: „2016 wird die gesamte Branche einen weiteren Gewinnrückgang erleiden, das ist garantiert.“

Stadtwerke und andere große Kunden zahlten laut „FAZ“ vor zwei Jahren am längerfristigen Stromterminmarkt noch deutlich mehr als 40 Euro für die Megawattstunde. Aktuell seien es für dieselbe Lieferung im Jahr 2016 nur noch 36 oder 37 Euro. Viele Stromproduzenten verkaufen große Teile ihrer Erzeugung schon ein bis zwei Jahre im Voraus. Sie wissen also bereits heute, wie viel Geld sie und andere Erzeuger in der Zukunft einnehmen werden. Doch das derzeitige Überangebot an Elektrizität – auch bedingt durch die wachsende Ökostromeinspeisung – sorgt für extrem niedrige Preise.

Das geringe Preisniveau mache den Betrieb vor allem von teuren Gas- und Steinkohlekraftwerken unrentabel. Hinzu kämen die staatlich geförderten Stromerzeugungsanlagen auf Basis von Wind und Sonne mit einer jährlichen Kapazität von etwa fünf Kernkraftwerken. Künftige Kürzungen der Ökostromförderung sind heftig umstritten, sie sind auch Thema eines Bund-Länder-Gipfels am Dienstag im Berliner Kanzleramt (siehe Artikel oben).

Auch nach 2016 rechnet der Vattenfall-Chef mit keiner wirklichen Besserung: „Wir sind darauf eingestellt, dass die Großhandelspreise bis 2020 niedrig bleiben.“ Wegen rückläufiger Erträge durch niedrige Preise an der Strombörse werde das Unternehmen weniger investieren. „Dramatisch, aber notwendig“, nannte Hatakka die geplanten Kürzungen.