Frauen bekommen 22 Prozent weniger Lohn als Männer

Einkommensunterschied bleibt groß. DGB fordert neue gesetzliche Regelungen

Wiesbaden. Frauen verdienen in Deutschland weiterhin deutlich schlechter als Männer. Ungeachtet aller Gleichstellungsbestrebungen betrug die Lohnlücke im vergangenen Jahr unverändert 22 Prozent auf Basis der Stundenlöhne, so das Statistische Bundesamt. Mit einem registrierten Bruttostundenlohn von 15,56 Euro lagen die Frauen wie in den Vorjahren deutlich hinter den Männern mit 19,84 Euro. Rund zwei Drittel der Differenz erklären die Statistiker mit strukturellen Gründen: Frauen arbeiten eher in schlechter bezahlten Berufen wie Reinigungskraft (Frauenanteil: 85 Prozent) oder Verkäuferin (73 Prozent), eher in Teilzeit und im Schnitt auf niedrigeren Führungsstufen.

Das letzte Drittel der Lohnlücke lässt sich daraus aber nicht erklären. Das bedeutet, dass Frauen bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation sieben Prozent weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen. Dies könne auf familienbedingte Erwerbsunterbrechungen zurückzuführen sein, die für viele Frauen einen Karriereknick bedeuteten. Während Männer ab 30 Jahren ihre Verdienste noch regelmäßig steigerten, stagniere der durchschnittliche Stundenlohn bei den Frauen. Deutlich sind die Unterschiede zwischen Mann und Frau bei Inhabern von Vollzeitjobs in Westdeutschland mit einer Lücke von 20 Prozent. Bei Teilzeit betrug die Lohnkluft zwischen den Geschlechtern hingegen nur vier Prozent. Im Osten ist der Verdienstabstand allgemein deutlich kleiner als im Westen.

Zur Überwindung des Lohnrückstands forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund neue Arbeitszeitmodelle. „Frauen dürfen durch Erwerbsunterbrechungen und unfreiwillige Teilzeit keine beruflichen Nachteile erfahren – dagegen brauchen wir den Rechtsanspruch auf Rückkehr aus Teilzeit und verbindliche Regeln für befristete Teilzeit“, sagte die DGB-Gleichstellungsexpertin Anja Weusthoff in Berlin.