5000 Arbeitslose mehr in Hamburg

Zahl der Jobsuchenden steigt innerhalb eines Monats um 4,9 Prozent auf 76.141. Höchster Stand seit drei Jahren

Hamburg. Sönke Fock benutzt ungewöhnlich viele Formulierungen, die Mut machen sollen. Der Chef der Arbeitsagentur Hamburg bemüht die Statistiken über den Abgang von Jobsuchenden in die Erwerbstätigkeit, um seine Botschaft etwas abzumildern. Doch es bleibt eine hohe, unschöne Zahl: Innerhalb eines Monats hat Hamburg unter dem Strich 5000 Arbeitslose mehr. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen stieg innerhalb eines Jahres um 4,9 Prozent auf 76.141. Das ist der höchste Stand seit rund drei Jahren.

Der Personalabbau zieht sich quer durch alle Branchen und betrifft eher kleinere Firmen. Bei den Windenergieunternehmen registriert Fock keine großen Entlassungen. Die Branche muss sich zwar auf Kürzungen bei der Förderung der Windenergie einstellen. „Aber die Firmen warten eher ab und halten ihren Personalbestand, weil es sich um Fachkräfte handelt“, sagt Fock. Auch die Zahl der anzeigenpflichtigen Entlassungen war im Januar nicht ungewöhnlich groß. Je nach Mitarbeiterzahl müssen die Firmen Entlassungen ab einer bestimmten Größenordnung vorher der Arbeitsagentur anzeigen. Im Januar gab es zwölf solcher Meldungen mit insgesamt 200 Beschäftigten.

„Es ist nicht ungewöhnlich, dass es im Januar zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit kommt“, sagt Fock und sucht aus der Statistik jene Januar-Monate heraus, die seine Aussage stützen. Danach war es 2009 und 2011 noch viel schlimmer, und auch zum Jahreswechsel 2012/2013 sah es – gemessen am absoluten Anstieg – nicht besser am Hamburger Arbeitsmarkt aus. Aber damals waren erst 72.500 Personen auf Stellensuche. Es sind nach Focks Einschätzung die üblichen Gründe, die die Arbeitslosigkeit ansteigen lassen. „Zum Jahresende enden viele saisonale Beschäftigungsverhältnisse“, sagt Fock. Außerdem sei die Konjunktur noch nicht angesprungen.

So erwartet das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent – verglichen mit 0,5 Prozent im Vorjahr. „Wir sehen keinen Grund, von dieser Prognose abzurücken“, sagt Michael Bräuninger vom HWWI. „Die aktuellen Arbeitslosenzahlen in Hamburg entsprechen dem saisonalen Muster und stellen keine Trendwende dar.“ Der Experte erwartet, dass sich die südeuropäischen Länder wie Spanien und Portugal erholen. „Davon wird auch Hamburgs Wirtschaft profitieren“, sagt Bräuninger. Allerdings sieht er auch eine Gefahr für die Exportfirmen in der Hansestadt. „Wenn sich die Währungskrise in den Schwellenländern verschärft, würde das den Maschinenbau und die Zulieferer der Automobilindustrie treffen.“

Fock hat die Hoffnung, dass mit den Januar-Zahlen schon der Höchststand des Jahres erreicht wurde. „Die weitere Entwicklung hängt auch von der Witterung ab“, sagt Fock. Aber häufig habe sich schon im Februar eine leichte Belebung des Arbeitsmarktes abgezeichnet. Hoffnungsvoll stimmt ihn, dass sich seit einigen Monaten immer mehr Menschen aus der Arbeitslosenstatistik verabschieden, weil sie eine neue sozialversicherungspflichtige Tätigkeit finden. Im Januar waren das mehr als 3000 Menschen. Gleichzeitig wurden von den Unternehmen im Januar 2700 freie Stellen der Arbeitsagentur gemeldet. „Das zeigt, dass der Arbeitsmarkt Bewerbern weiterhin die Chance auf eine neue Beschäftigung gibt“, sagt Fock.

Doch es sind nur zwei Branchen, die in Hamburg im nennenswerten Ausmaß neue Stellen schaffen: die wirtschaftlichen Dienstleistungen und das Gesundheits- und Sozialwesen. Zu den wirtschaftlichen Dienstleistungen gehören auch die Wach- und Sicherheitsdienste. „Wir haben 20 offene Stellen in Hamburg“, sagt Jürgen Wünschmann von Securitas in Hamburg. Allein im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 60 Arbeitslose eingestellt. „Für manche ist der Job bei uns nur eine Zwischenstation, andere qualifizieren sich weiter und machen Karriere bei uns“, sagt Wünschmann. Das Unternehmen mit knapp 2000 Mitarbeitern in Hamburg bietet verschiedene Tätigkeiten an. Das reicht von Empfangsdiensten in großen Unternehmen über die Bewachung kompletter Firmen bis hin zu Sicherheitsaufgaben beim Kinderjugendnotdienst. Nach der Aufgabe richtet sich die notwendige Qualifizierung. „Die Einstiegsqualifizierung ist bereits nach zwei bis vier Wochen absolviert“, sagt Wünschmann. Wichtige Voraussetzungen für eine Tätigkeit sind Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. „Aber unsere Mitarbeiter müssen auch mit Monotonie umgehen können“, sagt Wünschmann. Auch die Arbeitsagentur hofft mithilfe dieser Branche, ihre Statistik wieder verbessern zu können. Am 5. Februar findet in der Kurt-Schumacher-Allee 16 von 10 bis 15 Uhr eine Jobmesse der Sicherheitswirtschaft statt. Im Angebot sind 270 Jobs.

Strenge Kälte im Norden und Osten Deutschlands hat die Arbeitslosigkeit im Januar bundesweit über die Marke von drei Millionen steigen lassen. Die Zahl der Jobsuchenden nahm im Vergleich zum Vormonat um 263.000 auf 3,136 Millionen zu. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,6 Punkte auf 7,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es im Bund eine Überraschung. Im Vergleich zum Januar 2013 waren 2000 Personen weniger arbeitslos.