Bierabsatz sinkt auf Tiefstand

Brauer setzen 2013 in Deutschland nur noch 94,6 Millionen Liter ab. Alkoholfreie Varianten beliebt

Wiesbaden/Düsseldorf. Der deutsche Biermarkt steht unter strenger Beobachtung: Nach den saftigen Millionenstrafen des Kartellamtes wegen illegaler Preisabsprachen kämpfen die Brauereien in einem schrumpfenden Markt um zunehmend gesundheitsbewusste Kunden. Während Rohstoff- und Energiepreise steigen, sind beim Lebensmitteleinzelhandel höhere Endpreise kaum durchzusetzen.

Trotz wachsender Bevölkerung gelingt es den deutschen Brauern seit Jahren nicht mehr, ihren Absatz zu steigern. Seit dem letzten guten Jahr 2006 hat die Branche mehr als zehn Prozent ihrer Absatzmenge verloren. Mit 94,6 Millionen Hektoliter war die Menge 2013 so gering wie noch nie seit der Wiedervereinigung, berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag. Der wichtigste Grund für die jährlichen Rückgänge von um die zwei Prozent sind in der Bevölkerungsentwicklung zu finden, sagt der Brauer-Bund. Wegen der geringen Geburtenrate gibt es weniger junge Menschen – und die trinken wohl auch noch weniger Bier, als es ihre Eltern in jungen Jahren getan haben.

Für einen bewussteren Umgang mit Alkohol spricht der stetige Aufwärtstrend für alkoholfreie Biere, die nicht in der amtlichen Steuerstatistik erfasst sind. Ihr Absatz steigt seit 2006 kontinuierlich auf zuletzt 4,1 Millionen Hektoliter. Das sind zwar auch nur 4,3 Prozent des Gesamtausstoßes, aber immerhin auch ebenso viel wie die bereits wieder schwächelnden Biermischungen.

So gesehen war 2013 mit seinem nassen, kalten Frühjahr ein ganz normales Bierjahr, sagt Veltins-Sprecher Ulrich Biene. „Wir schrumpfen mit dem Markt.“ Einige Hoffnungen setzen die Brauer auf die im Juni anstehende Fußball-Weltmeisterschaft und gesteigerten Bierdurst beim gemeinschaftlichen Fußballschauen.

Über höhere Preise den geringeren Absatz aufzufangen, ist schwierig. Seit Jahren gelten zehn Euro vielen Verbrauchern als Preismarke für eine Zehnliterkiste, sagt Bierexperte Niklas Other vom Fachmagazin „Inside Getränke“. Der Handel nutzt die billige Kiste bekannter Biermarken gern als Lockvogelangebot für den Wochenendeinkauf. Nach Untersuchungen der Gesellschaft für Konsumforschung gehen zwei Drittel der Bierkästen über Preisaktionen weg. Ob die Brauereien ihre in den vergangenen Monaten erhöhten Preise gegenüber dem Handel tatsächlich durchsetzen können, scheint zumindest fraglich.

Die dauerhaft niedrigen Preise sind für Other Beleg dafür, dass Preisabsprachen im deutschen Markt nicht mehr funktionieren. 2008 hatten die Branchenriesen gemeinschaftliche Preiserhöhungen verabredet und bekamen nun vom Bundeskartellamt die Rechnung präsentiert: Die Privatbrauereien Bitburger, Krombacher, Veltins, Warsteiner und die westfälische Barre haben schon Bußgelder in einer Höhe von 106 Millionen Euro akzeptiert. Für die in der Branche genannten weiteren Beteiligten Radeberger und Carlsberg, zu dem dänischen Unternehmen gehören auch die Hamburger Marken Holsten und Astra, sollen die Strafen noch höher ausfallen, hat Kartellamtspräsident Andreas Mundt angekündigt. Die Preismauscheleien flogen auf, als die Beck’s-Mutter Anheuser-Busch Inbev als Kronzeugin auftrat.