Protest gegen weitere Elbvertiefung

Umweltverbände greifen Manager aus der Hafenwirtschaft wegen ihrer Äußerungen auf Abendblatt-Wirtschaftsgipfel an

Hamburg. Mögliche Spekulationen über eine weitere Elbvertiefung haben bei Umweltverbänden in Hamburg Kritik hervorgerufen. Aufgekommen sind diese Spekulationen am Wochenende im Rahmen der Berichterstattung über den jüngsten Wirtschaftsgipfel des Abendblatts. Dort hatten sechs namhafte Vertreter der Hamburger Wirtschaft über die Lage der maritimen Branche in Hamburg gesprochen. Und einige von ihnen schlossen eine weitere Fahrrinnenanpassung nicht aus.

„Die Hamburger Hafenwirtschaft setzt weiterhin auf Gigantomanie und Kirchturmpolitik, statt die Chancen einer norddeutschen Hafenkooperation zu erkennen. Die derzeit geplante Elbvertiefung ist bereits ökologisch nicht mehr vertretbar, und dennoch planen einige Herren schon einen weiteren Eingriff in die Elbe. Das ist absurd“, sagte der Hamburger Geschäftsführer des Bundes Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Manfred Braasch. Hamburg werde nie mit Rotterdam mithalten können, da der Hafen mitten in der Stadt liege.

Umweltschützer Porschke spricht von „demokratischem Armutszeugnis

Zuvor hatte der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, Gunther Bonz, beim Hafengipfel des Abendblatts deutlich gemacht, dass die aktuell geplante Fahrrinnenanpassung der Elbe nach seiner Auffassung nicht die letzte sein wird. „Jetzt geht es auch um zwei Begegnungsboxen für große Schiffe auf der ganzen Revierfahrt. Wir werden weitere brauchen“, sagte Bonz, Generalbevollmächtigter des Terminalbetreibers Eurogate. Er fügte hinzu: „Und wenn die Umweltverbände umfangreiche Rückdeichungsmaßnahmen fordern, bedeutet das auch einen Eingriff. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Es ist immer an dem Fluss gearbeitet worden. Das wird so weitergehen. Wir können nicht nachfolgenden Generationen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.“ Unterstützung erhielt er vom Aufsichtsratschef der HSH-Nordbank und ehemaligen Wirtschaftssenator Thomas Mirow (SPD). Die Größenentwicklung der Schiffe könne niemand absehen, sagte er.

„Da sieht man, was von den bisherigen Zusagen zu halten ist, dass die jetzt geplante Elbvertiefung garantiert die letzte ist. Solche Garantien sind kurzlebige Zukunftsversprechen“, sagte der Vorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Hamburg, Alexander Porschke. „Die Herrschaften kennen kein genug.“ Empört zeigte sich Porschke auch über die Kritik der Hafenwirtschaft am Verbandsklagerecht. Insbesondere der Präsident des Verbands Deutscher Reeder und Hapag-Lloyd-Chef Michael Behrendt sowie Thomas Mirow waren vehement für eine Gesetzesänderung eingetreten.

Umweltschützer Porschke konterte: Sechsmal hätten die Elbvertiefer zwischen 2008 und 2013 ihre Planungen schon nachgebessert, um überhaupt eine Chance zu sehen, vor Gericht zu bestehen. „Wenn Hafenbosse den Umweltverbänden deshalb die Möglichkeit nehmen wollen, Planfeststellungen gerichtlich prüfen zu lassen, ist das wahrlich ein demokratisches Armutszeugnis. Auf die Idee, ihre Planungen besser rechtlich korrekt und ökologisch verträglich vorzunehmen, kommen sie offenbar nicht“, so Porschke. Sinn des Verbandsklagerechts sei es doch weniger, dass die Verbände klagen, sondern vielmehr, dass die Projekte rechtlich richtig geplant würden.

Beatrice Claus vom WWF sagte, die Elbvertiefung werde Norddeutschland insgesamt betreffen. Deshalb sollte man auf eine Kooperation mit den beiden anderen deutschen Seehäfen setzen. „In den Niederlanden war man sich der Verantwortung für die Natur stärker bewusst. Von Anfang an wurden die Naturschutzbelange ernster genommen, und man hat aktiv nach Lösungen gesucht, um die europäische Naturschutzgesetzgebung mit den wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen“, sagte sie mit Bezug auf die Vertiefung der Schelde.