Viele Europäer sind trotz Arbeit arm

Brüssel. Arm trotz Arbeit: Immer mehr Europäer haben nur das Nötigste zum Leben, obwohl sie arbeiten gehen. Wer einmal arm ist, bleibt trotz Job in der Hälfte aller Fälle in der Misere stecken. Das ist ein Ergebnis des neuen Sozialberichts, den die EU-Kommission am Dienstag vorgestellt hat. Schuld daran seien Teilzeitstellen und schlecht bezahlte Minijobs, die nicht genug Einkommen lieferten.

„Leider ist es nicht mehr so, dass ein Arbeitsplatz einen ordentlichen Lebensstandard mit sich bringt“, beklagte EU-Sozialkommissar Laszlo Andor. Die Krise habe dieses Phänomen der sogenannten Erwerbsarmut verschärft. Betroffen seien vor allem Menschen in Ost- und Südeuropa. Der EU-Kommissar forderte: „Wir müssen die Aufmerksamkeit nicht nur darauf richten, neue Jobs zu schaffen, sondern wir müssen auch auf die Qualität der Jobs achten.“ Er rief die EU-Staaten dazu auf, für vernünftige Arbeitsbedingungen zu sorgen. Nur wenn die Menschen genügend Geld im Portemonnaie hätten, könnten sie mehr in den Konsum stecken, sodass die Wirtschaft wieder wachse.

Unter „von Armut bedroht“ versteht die EU-Kommission Menschen, die Schwierigkeiten haben, grundlegende Lebenshaltungskosten zu decken, die wenig arbeiten oder deren verfügbares Haushaltseinkommen nicht mehr als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Etwa ein Viertel der Europäer sei von Armut oder Ausgrenzung bedroht. Obwohl die Euro-Länder im vergangenen Jahr aus der Rezession gekommen sind, bleibt die Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau. Im November 2013 waren 19,2 Millionen Männer und Frauen arbeitslos, das entsprach einer Quote von 12,1 Prozent. Besonders schwierig ist die Lage in Südeuropa.

Andor wies Vorwürfe zurück, wonach die strengen Auflagen der Geldgebertroika für internationale Hilfspakete viele Jobs etwa in Griechenland oder Portugal vernichtet hätten. „Diese Länder sind nicht ganz schuldlos“, sagte der EU-Sozialkommissar. „Viele Arbeitsplatzverluste sind in der Verantwortung der Staaten selbst zu finden.“ Der EU-Kommissar verwies auch darauf, dass die wirtschaftliche Flaute die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Bezahlung und beim Armutsrisiko verringert habe.