IG Metall: Betriebe auf ältere Arbeitnehmer schlecht vorbereitet

Altersteilzeitmodelle fehlen oft. Firmen weisen Kritik zurück

Hamburg. Die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie in Norddeutschland verschlafen nach Ansicht der IG Metall den demografischen Wandel. Bei einer Befragung sagten 70 Prozent aller Betriebsräte, dass ihr Unternehmen kaum oder gar nicht auf die zunehmende Alterung der Belegschaften reagiere. Dabei seien mehr als 30 Prozent der Beschäftigten älter als 51 Jahre, davon sechs Prozent über 61 Jahre. „Die Ergebnisse der Befragung sind ein Alarmsignal“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. „Die Betriebe müssen dringend handeln.“

Nach Einschätzung der Gewerkschaft fehlt es vor allem an altersgerechten Arbeitsplätzen, aber häufig auch an guten Möglichkeiten zur Altersteilzeit. „Die im Tarifvertrag festgelegte Quote der Beschäftigten in Altersteilzeit von vier Prozent wird vor allem in kleinen und mittleren Betrieben nicht ausgeschöpft“, sagte Geiken. Vielen Betriebsräten fehlten zudem spezielle Arbeitszeitmodelle für Ältere.

Nach der Befragung nutzten nur knapp 70 Prozent der Beschäftigten ihren tariflichen Anspruch auf Leistungen zur Altersvorsorge von 319,08 Euro jährlich aus. „In der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie bleiben dadurch jedes Jahr mehr als zehn Millionen Euro für die Altersvorsorge ungenutzt“, sagte Geiken. „Die Beschäftigten müssen ihre tariflichen Ansprüche beim Arbeitgeber geltend machen. Daran werden wir unsere Mitglieder nochmals erinnern.“ Zudem existiere nur in 60 Prozent der Unternehmen eine betriebliche Altersvorsorge.

Der Arbeitgeberverband Nordmetall wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Schlussfolgerungen der Gewerkschaft als „Fehlinterpretation“. Die Unternehmen hätten ein ureigenes Interesse an ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Dazu gehöre auch eine Reaktion auf den demografischen Wandel, teilte ein Sprecher von Nordmetall mit. Der Verband begleite die Unternehmen seit Jahren durch geschulte Demografieberater. „Unsere Mitglieder wissen beispielsweise durch unsere Altersstrukturanalysen sehr gut, was in den nächsten Jahren auf sie zukommt und was sie tun können“, sagte Nordmetall-Tarifchef Peter Schlaffke. „Statt Alarmglocken zu läuten, sollten wir gemeinsam sachlich und konstruktiv diskutieren, wie man die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auch in demografisch schwierigen Zeiten sichern kann.“

Die aktuelle Quote bei der Altersteilzeit sei kein Grund zur Sorge. „Wenig Altersteilzeit bedeutet, dass wenige sie wollen und dass die Arbeit in unserer Industrie für die große Mehrheit bis zum gesetzlichen Rentenalter schaffbar ist“, sagte Schlaffke.