Mehrheit der Letten lehnt Euro ab

Baltenstaat führt als 18. Land in Europa 2014 die Gemeinschaftswährung ein

Riga. Mit einem großen Feuerwerk in der Silvesternacht wird Lettland zum Jahreswechsel als 18. Land der Euro-Zone beitreten. Die europäische Gemeinschaftswährung löst den heimischen Lats ab. Damit sich die gut zwei Millionen Bürger an die neue Währung gewöhnen können, hat die Regierung im Dezember 800.000 „Starter-Kits“ – Plastiktütchen mit je 45 Euro-Münzen im Wert von 14,32 Euro – in Umlauf gebracht. Anders als bei der in Rekordzeit vergriffenen letzten Sonderprägung des Lats bildeten sich nur vereinzelt Schlangen vor den Bankschaltern, um die neue Währung in Empfang zu nehmen – die Euro-Begeisterung der Bevölkerung hält sich deutlich in Grenzen.

Umso größer ist sie bei der Regierung des baltischen Landes. „Die Einführung des Euro wird positiv für Lettland sein, sie wird einen Beitrag für die Wirtschaft und das Wohlergehen der Menschen leisten“, beschreibt Noch-Ministerpräsident Valdis Dombrovskis die Vorteile des Beitritts zur Euro-Zone. Für Zentralbankchef Ilmars Rimsevics bedeutet der Euro die vollwertige Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion und die „tiefgreifende und unwiderrufliche Integration Lettlands in Europa – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch“. Auch von Brüssel wird die Euro-Einführung in Lettland als „historischer Moment“ begrüßt. Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem betonte, sie verstärke die Beziehungen zwischen dem Baltenstaat und der Euro-Zone zu einem Zeitpunkt der schrittweisen Erholung des Währungsraumes nach der Wirtschaftskrise. Auch Lettland war nicht von der Krise verschont worden. Zwischen 2008 und 2010 brach die Wirtschaftsleistung um 20 Prozent ein. Die Baltenrepublik konnte nur durch Hilfskredite der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor dem Staatsbankrott gerettet werden. Heute sind Haushalt und Wirtschaft nach einem radikalen Spar- und Reformprogramm wieder auf Kurs. Lettland erfüllt souverän die Beitrittsbedingungen und ist das wachstumsstärkste Land in der EU, leidet aber unter hoher Abwanderung.

„Der Euro kann und muss kommen“, sagt Maren Diale-Schellschmidt, Geschäftsführerin der Deutsch-Baltischen Handelskammer (AHK). Deutsche Unternehmen in Lettland erwarten bessere Standortbedingungen und Vorteile für ihre Geschäftstätigkeit. Dafür sprächen die positiven Erfahrungen deutscher Investoren nach dem Euro-Beitritt Estlands 2011. Auch lettische Unternehmen sind für den Euro.

Mit dem Versprechen „Euro. Lettland wächst“ versucht die Regierung in Fernsehspots und Anzeigen der Bevölkerung die Gemeinschaftswährung schmackhaft zu machen. Doch in Umfragen sprechen sich mehr als die Hälfte der Letten gegen den Währungswechsel aus – sie befürchten vor allem steigende Preise und einen Identitätsverlust durch die Aufgabe des Lats.