Mercedes startet Online-Verkauf

Hamburger Team organisiert den Internetvertrieb von Leasingautos. BMW bietet neues Elektrofahrzeug im Netz an

Hamburg. In der kommenden Woche startet die Hamburger Mercedes-Niederlassung den Online-Verkauf der Autos mit dem Stern. Das ist eine Premiere für Deutschland: „Wir sind der erste Hersteller, der Neufahrzeuge im Internet vertreibt“, sagt Bernd Zierold, Leiter der Mercedes-Benz Niederlassung Hamburg. „Wir sind sehr stolz, dass wir dieses Projekt nach Hamburg geholt haben.“

Um Erfahrungen mit dem neuen Vertriebskanal zu sammeln, werden zunächst nur die Niederlassungen in der Hansestadt sowie in Warschau im Online-Verkauf tätig. Nach Informationen des Abendblatts wurde in Hamburg ein Team von zwölf Personen dafür aufgebaut, acht der Beschäftigten sind für diese Aufgabe neu eingestellt worden.

Allerdings können sich die Kunden im Internet nicht etwa ein Auto nach eigenen Wünschen zusammenstellen. Zum Start der Online-Plattform biete man dort „vorkonfigurierte“ Wagen der Kompaktreihen A- und B-Klasse sowie das viertürige Coupé CLA ausschließlich als Leasingfahrzeuge an, hieß es in der „Automobilwoche“. Weitere Einzelheiten, auch zu den Preisen, will der Konzern am Montag bekannt geben.

Auch der Münchner Konkurrent BMW steigt zunächst nur in eng begrenztem Umfang in den Internetvertrieb ein. Lediglich das neue, knapp 35.000 Euro teure Elektrofahrzeug i3 wird auch über das Netz verkauft.

„Wenn die Hersteller ihre Autos auch direkt vermarkten, geraten sie damit in einen Konflikt mit der Händlerorganisation“, sagt Stefan Bratzel, Branchenexperte an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. „Darum gehen sie damit bisher sehr vorsichtig um.“ So hatte BMW mit der Aussage, man könne sich einen Online-Verkauf für alle Modelle vorstellen, einen regelrechten Aufstand der Händler ausgelöst.

„Letztlich werden aber alle Hersteller eine Strategie für den digitalen Vertrieb brauchen“, so Bratzel – spätestens dann, wenn die Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, zu potenziellen Autokäufern wird. „In zehn Jahren könnte schon gut ein Drittel der Pkw-Verkäufe an Privatkunden in Deutschland über das Internet laufen“, erwartet Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Nach Schätzung des Experten werden in diesem Jahr nur rund 40.000 Fahrzeuge über diesen Kanal abgesetzt, das sind gerade einmal gut drei Prozent aller Verkäufe an Privatpersonen.

Nach Auffassung der Branchenkenner müssen dringend Lösungen gefunden werden, wie man den Online-Vertrieb gemeinsam mit dem Handel und nicht gegen ihn aufstellt. Wichtig sei, dass die Hersteller und die Autohäuser „vernünftige Regelungen“ vereinbaren, wie die von den Verkaufsberatern vor Ort übernommene Aufgaben – zum Beispiel Probefahrten – vergütet werden können, sagte dazu Claudia Weiler, Sprecherin des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe.

Bei Mercedes hat man offenbar eine Lösung gefunden. „In diesem Fall lief alles vergleichsweise geräuschlos ab“, sagt Bratzel. Tatsächlich erklärte Peter Ritter, Vorsitzender des Verbands der Mercedes-Benz-Vertreter, man sei von Anfang an in die Diskussionen um den Online-Vertrieb eingebunden gewesen.

Allerdings liege im Fall von Mercedes eine Sondersituation vor, sagt Bratzel: Anders als bei den übrigen Herstellern verkaufen die Mercedes-Händler die Autos nicht auf eigene Rechnung, sie wickeln nur den Verkauf für den Stuttgarter Konzern ab.

Ohnehin sei der Widerstand des Handels gegen den neuen Vertriebsweg verlogen, argumentiert Dudenhöffer: Die von Online-Vermittlern wie etwa Meinauto.de oder Autohaus24.de angebotenen Fahrzeuge stammten schließlich von Autohäusern, die ihre Verkaufsziele erfüllen wollten, dies aber auf dem normalen Weg nicht könnten.