Amerika-Reise

Wirtschaftssenator Horch umwirbt Airbus-Konkurrenten

Frank Horch schaut auf seiner großen Amerika-Reise auch bei Bombardier in Montreal vorbei. Sein Angebot auf einer Konferenz: Man sollte enger zusammenarbeiten, vor allem in der Forschung.

Montreal Es war ein Termin mit Symbolkraft. Im Rahmen seiner Delegationsreise in die USA und nach Kanada hat Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) im kanadischen Montreal den Flugzeug- und Bahntechnikhersteller Bombardier besucht. Die Bahnsparte des Konzerns, die unter anderem auch U- und S-Bahnen für den Einsatz in Hamburg und Norddeutschland liefert, wird von Berlin aus geführt, der Flugzeugbau von Montreal aus. Und da spielt für Hamburg die Musik.

„Ich würde es sehr begrüßen, wenn Bombardier die Kontakte zu unserem Luftfahrtcluster in Hamburg ausbauen würde“, sagte Horch bei einer Konferenz mit Bombardier-Managern in der Konzernzentrale. „Vor allem an unserem Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung gibt es zahlreiche Möglichkeiten dafür.“

Bombardier ist mit einer breiten Modellpalette von Düsen- und Turbopropmaschinen der drittgrößte Flugzeughersteller der Welt, wenngleich weitaus kleiner als die beiden größten Anbieter Boeing aus den USA und Airbus aus Europa. Die Kanadier konkurrieren mit den größeren Herstellern, mit dem brasilianischen Unternehmen Embraer – dem viertgrößten Flugzeughersteller – sowie mit einer Reihe anderer Anbieter von Firmen- und Regionaljets. Mit der neuen CS-Serie, die ab Mitte 2014 bei den Fluglinien eingesetzt werden soll, geht Bombardier erstmals in direkten Wettbewerb zu Airbus und Boeing bei Kurzstreckenflugzeugen für 100 bis 150 Passagiere. Umgerechnet 3,4 Milliarden US-Dollar (2,5 Milliarden Euro) hat das Unternehmen in die Entwicklung des neuen Typs investiert. Lufthansa zählt zu den ersten Kunden der CS-Reihe. Insgesamt hat Bombardier nach eigenen Angaben bislang rund 400 Aufträge und Optionen für die beiden CS-Modelle, davon 177 feste Order.

Das Flugzeug soll gegenüber vergleichbar großen Jets bis zu 20 Prozent weniger Kerosin verbrauchen, deutlich leiser und von den Piloten einfacher zu handhaben sein. Die Typen CS100 und CS300 werden bei Airbus vor allem in Konkurrenz zu den Modellen A318 und A319 stehen. „Wir wollen das Duopol von Airbus und Boeing in diesem Marktsegment knacken. Das ist für uns eine ganz neue Herausforderung“, sagte Bombardier-Manager Jean Seguin, Vice President unter anderem für Qualitätssicherung und Produktivitätsabläufe. Die CS300 erbringe gegenüber der modernisierten A319neo eine Kerosinersparnis von zwölf Prozent.

Hamburg ist der drittgrößte Luftfahrtstandort der Welt, getragen vor allem von Airbus, von Lufthansa Technik sowie von einem dichten Netzwerk aus Zuliefer-, Forschungs- und Serviceunternehmen für die Flugzeugindustrie. Das Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) wurde von der Hansestadt, von Airbus, Lufthansa und anderen Partnern 2008 ins Leben gerufen. Bis Ende des Jahres soll das neue Gebäude des Zentrums auf Finkenwerder fertiggestellt sein. Es wird aufwendige Logistik, Prüfstände und Testlabore enthalten. Airbus selbst will damit seine Forschung und Entwicklung vor Ort weiter fokussieren. Das ZAL steht aber prinzipiell allen Herstellern und Zulieferern aus der Branche offen.

Bombardier war erst in den 1980er-Jahren durch die Übernahme des kanadischen Flugzeugbauers Canadair in die Luftfahrtindustrie eingestiegen und hat sich seither auch durch weitere Übernahmen stark entwickelt. Zum Konzern gehört unter anderem auch die Fertigung von Geschäftsflugzeugen der Marke Learjet. Insgesamt beschäftigt Bombardier Aerospace internationale heute rund 35.000 Mitarbeiter und machte 2012 etwa neun Milliarden US-Dollar Umsatz. Die neue CS-Reihe soll einen hohen Anteil von Kohlefaserteilen und anderen Verbundmaterialien enthalten, damit das Gewicht der Flugzeuge gegenüber den bisher gängigen Typen deutlich sinkt. Wirtschaftssenator Horch, ein studierter Schiffbauingenieur, lobte die Innovationskraft des Unternehmens: „Von leichteren und leiseren Flugzeugen profitieren die Passagiere und die Umwelt gleichermaßen. Ich habe Respekt vor dieser technologischen Leistung.“