Faire Produkte immer beliebter

Viele Menschen achten auf Umwelt- und Sozialstandards beim Kauf von Waren und Dienstleistungen

Hamburg. Werte wie Gesundheit, Freundschaft und Zeitwohlstand werden in einer materiell geprägten Lebenswelt immer wichtiger. Da Konsum jedoch ein bedeutender Faktor des Lebens bleibt, verbinden immer mehr Verbraucher ihr Konsumwünsche mit immateriellen Werten. Das heißt, sie achten beim Kauf von Waren und Dienstleistungen auf ökologisch und soziale Kriterien. „Konsumethik“ nennen Experten wie Peter Wippermann dieses Verhalten. Er hat am Freitag die Otto Group Trendstudie zum ethischen Konsum präsentiert.

Demnach kauft mehr als die Hälfte der Bundesbürger häufig Produkte, die nach Angaben der Unternehmen ethisch korrekt hergestellt wurden - doppelt so viele wie vor vier Jahren. „Ethischer Konsum ist im Alltag der Verbraucher angekommen“, sagte Wippermann vom Hamburger Trendbüro, das die repräsentative Untersuchung durchgeführt hat. Fazit: „Ethischer Konsum gibt den Menschen die Möglichkeit, ihre eigene Lebensqualität und die der anderen zu verbessern“, so Timm Homann, Konzern-Vorstand Multichannel Retail der Otto Group.

Bereits zum vierten Mal nach 2007, 2009 und 2011 hatte Otto die Trendstudie in Auftrag gegeben. „Nachhaltigkeit und ethische Prinzipien sind für uns seit jeher Grundlage wirtschaftlichen Handelns“, sagte Homann. Einen fünfstelligen Betrag lässt sich das Unternehmen die Studie kosten. Warum man das Geld nicht lieber in Textilfabriken investiert, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern? „Direkt investiert, könnten wir mit dem Betrag nur wenig verändern. Die Studie soll hingegen Denkanstöße für Verbraucher, Wirtschaft und Politik bieten, die langfristig viel mehr bewirkt“, so Otto-Group-Sprecher Thomas Voigt.

Denn das Thema Konsumethik werde immer wichtiger und wandele sich ständig. Während sich Unternehmen vor ein paar Jahren mit nachhaltig und ethisch korrekten Produkten auf dem Markt noch hervortun konnten, gelten diese heute nicht mehr als Differenzierungsmerkmal. Der Markt für ethisch korrekte Produkte hat sich auf fast alle Branchen ausgeweitet – von Mode bis Finanzdienstleistungen. Nachhaltigkeit ist zum Konsensfaktor geworden, „bio“ und „fair“ sind lediglich zwei Facetten eines vielschichtigen Themas.

Bedeutete ethischer Konsum bei der letzten Studie vor zwei Jahren noch für 77 Prozent der Befragten, regional erzeugte Produkte zu kaufen, sind es nun 87 Prozent. Neben der Produktqualität spielen soziale Aspekte eine immer größere Rolle: Für 92 Prozent der Bürger bedeutet ethischer Konsum, Produkte zu kaufen, bei deren Herstellung auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen geachtet wird. Der Fokus verschiebt sich: vom reinen Produkt, zum Produktumfeld.

„Die unsichtbaren Eigenschaften eines Produktes werden immer wichtiger“, sagt Hans-Otto Schrader, Vorstandsvorsitzender der Otto Group. Deshalb habe man nach dem Einsturz der Textilfabrik in Bangladesch mit 1127 Toten sofort reagiert - auch wenn man selbst davon zum Glück nicht betroffen gewesen sei. „Da wir den Eindruck hatten, dass die dortigen Ingenieure nicht die nötige Kompetenz hatten, haben wir eigene Ingenieure angeheuert und die Sicherheit unserer Produktionsorte untersuchen lassen.“ Das Ergebnis: Sechs Fabriken habe Otto sofort auf eigenen Wunsch geräumt – beziehungsweise die Aufträge dort abgezogen.

Es ist jedoch nicht nur die Aufgabe der Wirtschaft, Konsumethik für die Menschen attraktiver zu machen. Denn auch das geht aus der Studie hervor. Ein Drittel der Befragten sieht jeden Bürger in der Pflicht, etwas zu tun. 27 Prozent sehen primär die Politik in der Verantwortung.