Thalia will mehr Läden schließen

Buchhandelskette spricht von 20 Geschäften, die vor dem Aus stehen. Bisher war von 15 Standorten die Rede

Hamburg. Noch vor wenigen Wochen hatte die Buchhandelskette Thalia versichert, die Schließungswelle der Filialen beendet zu haben. Und als das Abendblatt im März des vergangenen Jahres exklusiv berichtete, dass 15 Filialen geschlossen werden sollen, pochte der Konzern noch darauf, dass es sich bei den betroffenen Läden um „bis zu 15 Filialen“ handele. Diese so hart verteidigte Obergrenze der Thalia-Geschäfte, die vor dem Aus stehen, ist am gestrigen Mittwoch gefallen. Der angeschlagene Buchanbieter wird im Rahmen seiner Neuausrichtung insgesamt rund 20 Filialen schließen, teilte Thalia-Chef Michael Busch in Hagen mit.

Einige der Geschäfte hätten bereits den Betrieb eingestellt, weitere würden in den nächsten Monaten noch folgen, sagte der Manager. Es handele sich um Buchhandlungen, bei denen die Umsätze stark rückläufig gewesen oder die Verkaufsflächen langfristig nicht mehr rentabel zu betreiben gewesen seien. Wieder heißt es aus Hagen, mit dieser Zielgröße sei die Zeit der Geschäftsaufgaben vorbei: Damit sei eines der schwierigsten Kapitel der Neuausrichtung abgeschlossen, betonte Busch gestern.

Thalia hat derzeit knapp 300 Filialen, ist damit einer der größten Buchhändler Deutschlands und seit einigen Jahren eine Tochter des Handelskonzerns Douglas, der wiederum dem US-Investor Advent gehört. Die Buchhandelskette war durch den Siegeszug mächtiger Online-Konkurrenten wie Amazon in Turbulenzen geraten und hatte dem Mutterkonzern hohe Verluste beschert. Seit Anfang 2012 bemüht sich das Unternehmen deshalb um eine Neuausrichtung. Thalia habe inzwischen „das größte Stück eines steinigen Weges“ hinter sich gebracht und sei auf einem guten Weg, wieder nachhaltig Wachstum zu generieren, sagte Busch. In Hamburg ist das Aus für das einstige Flaggschiff Große Bleichen beschlossene Sache. Das rund 2000 Quadratmeter große Geschäft, eine der größten Filialen von Thalia in Deutschland, wird zum 31. Januar 2014 seine Türen für immer schließen. Thalia-Sprecherin Mirjam Berle bestätigte gestern dem Abendblatt ausschließlich diese Schließung für Hamburg. Andere Filialen in Hamburg und Norddeutschland dürften nach Ansicht der Gewerkschaft nicht auf der Liste der Geschäfte stehen, die Thalia aufgeben will. „Uns sind keine weiteren Schließungen bekannt“, sagt Heike Lattekamp von Ver.di dem Abendblatt.

Mit den rund 30 betroffenen Mitarbeitern der Filiale Große Bleichen wird derzeit diskutiert, inwiefern sie an anderen Standorten arbeiten können. Laut Ver.di könnten so Kündigungen in der Hansestadt mit ihren rund zehn Thalia-Läden verhindert werden. In Hamburg, im Gebäude des Thalia Theaters, hatte die Familie Könnecke vor mehr als 90 Jahren den Grundstein für die Buchkette gelegt. Beteiligt sind die Gründer heute aber nicht mehr, weder finanziell noch in der Geschäftsführung, die heute in Hagen sitzt.

Das dortige Management setzt insbesondere auf den Ausbau des E-Commerce-Geschäfts. Thalia hat hier zusammen mit den Konkurrenten Weltbild, Hugendubel und Club Bertelsmann sowie der Deutschen Telekom mit dem E-Reader Tolino Shine ein Konkurrenzprodukt zu Amazons Kindle auf den Markt gebracht. Die Umsätze mit E-Books seien seit Oktober 2012 im dreistelligen Prozent-Bereich gestiegen, sagte Busch. In Hamburg bietet jede Filiale eine solche E-Reader-Station an. Der Onlinekanal verzeichne ein zweistelliges Wachstum, sagte Busch.

Gleichzeitig forciert das Unternehmen die Einführung neuer Sortimente wie Spielwaren, Musik-CDs und DVDs in seinen Filialen. „Wir verfolgen im Bereich Sortimente und Formate eine Strategie, die uns erlaubt, auf Trends flexibel zu reagieren, sie aufzugreifen und uns auch wieder davon zu verabschieden, wenn sie auslaufen“, sagte der Manager, der jedoch eines betonte: Das Buch werde bei Thalia immer im Zentrum stehen.