Brot wird trotz guter Ernte nicht günstiger

Großbäckereien erwarten weitere Geschäftsaufgaben kleinerer Läden

Gütersloh. Verbraucher können trotz der guten Weizenernte offenbar nicht mit Preissenkungen rechnen. Wenn der Weizenpreis zum ersten Mal seit Jahren sinken sollte, würde dieser Vorteil unmittelbar durch höhere Kosten für Energie oder Transport ausgeglichen, sagte die neue Präsidentin des Verbandes der Deutscher Großbäckereien, Ulrike Detmers. Detmers, Gesellschafterin des Großbäckers Mestemacher, ist die erste Frau an der Spitze des 1905 gegründeten Verbandes. Die rund 100 Verbandsmitglieder repräsentieren über 60 Prozent des Branchenumsatzes von mehr als 18 Milliarden Euro (2011). Das sei ein Zuwachs um 600 Millionen Euro im Vergleich zu 2010.

„Die Branche muss ihr Image aufpolieren“, sagte die 57-Jährige. „Wir müssen den Kampf um Talente und Fachkräfte mit anderen Branchen führen“, so Detmers. Da gebe es weit verbreitete Vorurteile – etwa dass man als Bäcker immer mitten in der Nacht früh aufstehen müssen. Außerdem würden viele körperlich anstrengende Arbeiten inzwischen durch Maschinen erledigt.

Die Backbranche stehe mitten im Strukturwandel. Die Zahl der Großbäckereien steigt, die kleinen Bäckereien verschwinden. Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2011, ist die Zahl der Unternehmen seit dem Jahr 2000 um 6000 auf 13.800 gesunken. Bis 2020 sollen es nur noch 8000 bis 10.000 sein. Und es gebe schon Versuche mit Backstationen für Konditorwaren bei Discountern.

Auch künftig würden fast ausschließlich Betriebe mit einem Umsatz von weniger als einer Million Euro vom Markt verschwinden. Gründe seien vor allem fehlende Nachfolger in Familienbetrieben. Zugleich steige die Zahl der Backstationen in Supermärkten. Derzeit sind es gut 15.000, in den nächsten drei Jahren könnten 10.000 weitere dazukommen.