Alternative Energie

E.on steuert Windparks auf hoher See von Hamburg aus

Energiekonzern hat bereits 100 Arbeitsplätze für die Zukunftssparte in der Hansestadt geschaffen. Anlagen auf hoher See werden immer bedeutender.

Hamburg. Trotz massiver Verzögerungen beim Bau von Windparks auf hoher See, wächst die Branche in der Hansestadt weiter. Mit Nordex und Repower haben bedeutende Hersteller ihren Sitz in Hamburg, mit A2Sea ein Installationsspezialist für Offshore-Windparks. Zahlreiche große Energieversorger wie Vattenfall, EnBW, RWE sowie Dong Energy haben ebenfalls in der Hansestadt ihre Windkraftaktivitäten gebündelt. Jetzt kommt eine weitere namhafte Firma hinzu: E.on.

Die für Erneuerbare Energien zuständige Tochter E.on Climate & Renewables des Düsseldorfer Energiekonzerns hat mehrere Etagen eines Bürohauses in der Innenstadt angemietet und hier innerhalb weniger Monate 100 Mitarbeiter angesiedelt, die den Aufbau des Offshore-Windparks Amrumbank West in der Nordsee sowie zweier weiterer Projekte planen. E.on hat die zuständigen Ingenieure in Hamburg stationiert, weil hier mit Siemens auch der Lieferant der Turbinen sitzt.

E.on-Vorstandschef Johannes Teyssen macht es deutlich: „In Hamburg ist die Schaltzentrale für den Ausbau unseres deutschen Offshore-Geschäftes. Wir haben hier rund 100 Fachleute zusammengezogen, die zu den weltweit besten im Offshore-Geschäft gehören“, sagte er vor Mitgliedern des CDU-Wirtschaftsrats.

Einer diese Fachleute ist Dominik Schwegmann. Er ist der Projektmanager der Windfarm Amrumbank West, die 35 Kilometer nördlich von Helgoland entsteht und später soviel Energie liefern soll, dass damit 300.000 Haushalte versorgt werden können. An diesem Tag empfängt Schwegmann Besuch. Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) hat sich angemeldet, um die neue Niederlassung in Hamburg zu besichtigen. Schritt für Schritt lässt er sich die Pläne für den neuen Windpark erklären, an denen seit dem Jahr 2001 gearbeitet wird. Inzwischen hat E.on mit den Bauvorbereitungen begonnen. Als sogenannter „Kolkschutz“ werden Sandsäcke auf dem Meeresboden deponiert. Diese sollen später verhindern, dass die Strömung den Sand rund um die Fundamente der insgesamt 80 Windkraftanlagen wegspült. Durch die Sandsäcke sollen die einbeinigen Fundamente einfach in den Meeresboden gerammt werden. Dazu werden sie etwas angespitzt.

Der Bau von Amrumbank West soll sich in vielerlei Hinsicht von bisherigen Anlagen auf See unterscheiden. E.on profitiert dabei von Erfahrungen, die das Unternehmen als Miteigentümer des Test-Windparks „Alpha Ventus" gesammelt hat, dem weltweit ersten Windpark in tiefer See. Erste Erkenntnis: Wenn die Offshore-Windenergie maßgeblicher Baustein der deutschen Energieversorgung in der Zukunft werden soll, müssen Bau und Betrieb wirtschaftlicher werden. Erklärtes Ziel des Unternehmens ist es daher, die Kosten der Offshore-Windenergie durch Verbesserungen von eingesetzten Technologien und der Logistik um bis zu 40 Prozent bis zum Jahr 2015 zu reduzieren. Dazu will E.on in eine gleichsam industrielle Windparkproduktion gehen. So wird Amrumbank West nicht als Solo-Projekt gebaut, sondern als einer von drei Windparks, die direkt nacheinander errichtet werden.

Ebenfalls neu ist, dass Amrumbank West so weit wie möglich ohne Tauchereinsätze gebaut werden soll. „Bis auf einen haben wir alle Bauschritte so geplant, dass wir keine Taucher brauchen“, sagt Schwegmann dem Senator, und zwar aus Sicherheitsgründen. „Von den vier tödlichen Unfällen bei den Offshore-Windparks in den vergangenen Jahren, waren in drei Fällen die Opfer Taucher“, sagt er. Damit alles perfekt klappt, müssen viele verschiedene Arbeitsschritte miteinander synchronisiert werden.

Ein Gang weiter werden gerade Büroräume für Mitarbeiter aus Dänemark eingerichtet. Es handelt sich um Nautiker, die für die „Marine Coordination“ zuständig sind. Sie werden den Schiffsverkehr für die Dauer der Bauzeit des 34 Quadratkilometer großen Windparks überwachen. Insgesamt 50 Hamburger Mitarbeiter befassen sich derzeit mit Amrumbank West. Der Rest plant die Windparks Arkona-Becken in der Ostsee und Delta Nordsee nordwestlich von Juist. Diese Projekte befinden sich noch in der Entwicklungsphase.

Alles wird von Hamburg aus gelenkt – auch der Bau des neuen Offshore-Service-Stützpunkts auf Helgoland, wie E.on-Chef Teyssen ankündigte. Von Helgoland aus werden künftig 50 Mitarbeiter im Schichtdienst den Betrieb des Windparks sicherstellen. Horch ist davon begeistert, rät E.on aber dazu, dem Verein „Cluster erneuerbare Energien Hamburg“ beizutreten. Gegen eine geringe Gebühr bietet die Plattform Branchenfirmen die Möglichkeit, sich zu vernetzen, bei Messen gemeinsam aufzutreten und sich bei Fachveranstaltungen über Neuigkeiten zu informieren. „Ein Beitritt würde für E.on Climate & Renewables Sinn machen“, sagt Horch, dessen Behörde den Verein stark unterstützt. Immerhin sei die Hamburger E.on-Tochter E.on Hanse bereits Mitglied. Schwegmann kann den Senator beruhigen: „Auch wir werden dem Cluster beitreten“, sagt er. „Das ist schon beschlossen.“