Chinesen übernehmen Thielert

Staatskonzern AVIC kauft insolventen Motorenhersteller. Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

Hamburg. Der chinesische Staatskonzern AVIC International übernimmt den insolventen Hamburger Hersteller für Flugzeugmotoren Thielert. Das teilte Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler am Dienstag mit. Die Belegschaft sei am Montagabend informiert worden, sagte ein Firmensprecher auf Nachfrage. Damit gibt es für das einstige Vorzeigeunternehmen der Hamburger Wirtschaft eine neue Zukunft.

Der Firmenname Thielert ist jedoch Geschichte. Das Unternehmen firmiert künftig unter dem Namen Technify Motors GmbH. Und das Unternehmen wird auch nicht mehr aus der Hansestadt gelenkt, sondern von den USA aus. Dort sitzt der weltgrößte Flugzeugkolbenmotorenhersteller Continental Motors, der bereits im Frühjahr von AVIC gekauft worden ist.

Wie der Sprecher weiter erklärte, sollen die mehr als 200 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Hauptproduktionsstandorte sind Lichtenstein (Sachsen) und Altenburg (Thüringen). In Hamburg saßen seit Auflösung der Holding lediglich noch acht Mitarbeiter vornehmlich aus der Entwicklung. „Auch diese Stellen sollen in der Hansestadt erhalten bleiben“, sagte der Sprecher.

Hinter der Gesellschaft liegen turbulente Jahre. Die Idee ihres Gründers Frank Thielert, Dieselmotoren für Sport- und Schulungsflugzeuge zu entwickeln, war eine Weltneuheit und entpuppte sich zunächst als Verkaufsschlager. 2005 ging die Thielert AG an die Börse, wo das Unternehmen zeitweilig mit einem Wert von einer halben Milliarde Euro notiert wurde. Nach dem Vorwurf von Bilanzmanipulationen musste die Muttergesellschaft und Thielert Aircraft Engines 2008 Insolvenz anmelden. Seither produziert die Firma aber weiter Flugmotoren mit „stabilem Auftragsbestand“.

Thielert selbst muss sich wegen Kreditbetrugs und Urkundenfälschung vor Gericht verantworten und sitzt seit Anfang Juni in Untersuchungshaft. Wie berichtet, wurde der Hamburger noch während der Verhandlung im Gerichtssaal wegen Fluchtgefahr verhaftet. Seitdem bemühen sich seine Anwälte um Thielerts Freilassung.