Papenburg

Nach zwei Todesfällen: Meyer Werft will strengere Kontrolle

Beschäftigte eines Subunternehmens sterben bei Wohnungsbrand. Hoher Anteil von Werkverträgen in der Branche. Ein Papenburger Arzt, der am Brandort war, sagte, in dem Haus hätten „katastrophale Zustände“ geherrscht.

Hamburg. Die Papenburger Meyer Werft will die Kontrollen bei der Zusammenarbeit mit Fremdfirmen verstärken. Am Sonnabend waren bei einem Hausbrand in Papenburg zwei rumänische Arbeiter des Emder Unternehmens SDS gestorben. Ein Papenburger Arzt, der am Brandort war, sagte dem NDR, in dem Haus hätten „katastrophale Zustände“ geherrscht. Allein das Wohnzimmer sei mit 13 Betten eng bestückt gewesen.

Die Meyer Werft wies Vorwürfe zurück, die Werkvertragsarbeiter unter solch schlechten Bedingungen und zu Niedrigstlöhnen beschäftigt zu haben. Werftsprecher Peter Hackmann sagte, in dem 400 Quadratmeter großen Haus hätten 14 Personen gelebt, dies sei „keine Massenunterkunft“ gewesen. Je nach Qualifikation und Beschäftigungsart bekämen Arbeiter von Fremdfirmen zwischen 20 und 35 Euro je Stunde gezahlt. Partnerfirmen seien zudem bereits seit Jahren vertraglich verpflichtet, ihre Mitarbeiter den Sozialversicherungskassen zu melden und diese sowohl angemessen zu bezahlen als auch unterzubringen.

Werftchef Bernard Meyer und der Betriebsratsvorsitzende Thomas Gelder versicherten allerdings, dass die Einhaltung der Standards bei den Partnerfirmen künftig strenger kontrolliert würden. „Wir werden jetzt noch nachdrücklicher prüfen, ob es in der umfangreichen Liste unserer Lieferanten schwarze Schafe gibt, die die geltenden Sozialstandards in Deutschland unterlaufen“, sagte Meyer. „Das werden wir nicht akzeptieren. Lohndumping lehnen wir kategorisch ab.“ Meyer bekräftigte zugleich, dass die Unterstützung durch externe Arbeit für seine Werft unverzichtbar sei, wegen des hohen Drucks am Markt wie auch wegen der schwankenden Auslastung. „Wir dulden keinen Missbrauch von Werkverträgen in Papenburg“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Gelder. „Wir werden daher noch intensiver prüfen, dass der Lohn auch bei den Mitarbeitern ankommt.“

Hohe Quote von Werkverträgen

Leiharbeit und Werkverträge sind bei den deutschen Werften weit verbreitet. Der Anteil der Leiharbeit im Schiffbau ist in den vergangenen Jahren bis 2012 auf 13,9 Prozent stetig gestiegen. Diesen Wert weist die zurückliegende Branchenumfrage des IG-Metall-Bezirks Küste aus. Allerdings betrug der Anteil im Jahr 2008 vor dem Hintergrund einer sehr guten Auslastung in den Unternehmen gar 16,6 Prozent. Die Quote der Werkverträge lag bei einzelnen Werften signifikant hoch. Die Meyer-Tochter Neptun-Werft in Rostock weist für 2012 einen Wert von 49,7 Prozent aus, die Lürssen-Gruppe 45,8 Prozent und die Meyer Werft in Papenburg 44,9 Prozent. Mit Werkverträgen gliedern Unternehmen komplette Zulieferungen oder bestimmte Leistungspakete an Fremdfirmen aus. Typisch ist das vor allem beim Bau von Kreuzfahrtschiffen oder Yachten. In der Regel liefern Subunternehmer etwa die gesamte Möblierung von Schiffen zu.

„Bestimmte Werften können ihre starken Auftragsschwankungen nicht allein mit ihren Stammbelegschaften ausgleichen“, sagte Heiko Messerschmidt vom IG-Metall-Bezirk Küste. „Die Frage ist aber bei jedem Werkvertrag: Macht ein Unternehmen das aus Gründen der besseren Betriebssteuerung und aus seriöser Kalkulation, oder steckt Lohndumping als Hauptmotiv dahinter? Darauf muss man genau achten.“ Die IG Metall gehe davon aus, dass die Leiharbeitsquote in diesem Jahr gegenüber 2012 erneut ansteigt. „Der Kostendruck in der Branche ist nach wie vor sehr hoch“, sagte Messerschmidt. „Aber wenn Leiharbeiter Stammbelegschaften verdrängen, können wir das nicht hinnehmen.“

Die Werften – auch in Papenburg – trügen für alle ihre Beschäftigten eine soziale Verantwortung, auch für Leiharbeiter und Beschäftigte, die mit Werkverträgen auf der Werft arbeiteten.