Bundesbank-Chef warnt vor zu langen Niedrigzinsphasen

Frankfurt. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt vor wachsenden Risiken der Politik des billigen Geldes. Niedrigzinsen seien nicht ohne Nebenwirkungen, so Weidmann. „Auch wenn sie derzeit geldpolitisch begründet sind, dürfen wir davor nicht die Augen verschließen: Sie verführen zum Beispiel dazu, Reformen und den notwendigen Strukturwandel aufzuschieben. Finanzstabilitätsrisiken können sich aufbauen. Diese Nebenwirkungen nehmen mit der Dauer der Niedrigzinsphase zu.“ Die Europäische Zentralbank hatte vor einer Woche auf niedrige Zinsen im Euro-Raum „für einen längeren Zeitraum“ eingestimmt und bekräftigte das Versprechen am Donnerstag.

Weidmann sieht darin zwar „keine historische Wende in der geldpolitischen Kommunikation“. Ziel sei vielmehr das Bestreben, „in Zeiten höherer Unsicherheit mehr geldpolitische Orientierung zu geben“. Die im Rahmen der Bankenunion von den Finanzministern geplanten Regeln zur Haftungsreihenfolge bei Bankenpleiten haben nach den Worten des obersten Bundesbankers noch einige Schwachstellen. Sie sähen zu viel Spielraum für Ausnahmefälle vor. Außerdem halte er es für wichtig, die Regeln früher als geplant umzusetzen, „nämlich schon bis 2015“. Zudem forderte Weidmann erneut Schritte, um die Abhängigkeiten zwischen maroden Bankbilanzen und Staatsfinanzen zu lösen. Es sei wichtig, dafür zu sorgen, „dass Banken scheitern können, ohne den Staat und damit den Steuerzahler zu belasten“.