Deutsche Werften haben Aufträge über 8,5 Milliarden Euro

Schiffbauer sehen sich für Zukunft gut aufgestellt

Hamburg. Die deutsche Schiffbauindustrie hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert und glaubt an eine erfolgreiche Zukunft. "Die Umstellung vom Handels- auf den Spezialschiffbau ist uns gut gelungen", sagte Harald Fassmer, Vorsitzer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), am Dienstag bei der Jahresversammlung der Branche in Hamburg. Angesichts der enormen Herausforderungen setzten die Werften auf innovative Hochtechnologie und deutsche Ingenieurskunst. Damit könnten sie in den weltweiten maritimen Wachstumsmärkten bestehen.

2012 nahmen die Werften Aufträge über 3,4 Milliarden Euro in ihre Bücher, das sind elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Auftragsbestand erhöhte sich um 1,2 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. Der Umsatz der deutschen Schiffbaubetriebe, der abrechnungsbedingt von Jahr zu Jahr stark schwankt, lag mit 5,1 Milliarden Euro um zehn Prozent über dem relativ schwachen Vorjahr.

Die Traditionsbranche hat in den vergangenen Jahren grundlegende Veränderungen durchgemacht: Noch 2004 bestand die Produktion der Werften zu zwei Dritteln aus Containerschiffen. Inzwischen haben sich die Schiffbauer völlig vom Handelsschiffbau verabschiedet. "Das war eine Reaktion auf die gewaltigen Umwälzungen der Märkte", sagte Fassmer. Heute werden auf den deutschen Werften Fähren und Yachten, Passagier- und Forschungsschiffe entworfen und gebaut. Der Exportanteil der Branche liegt bei 72 Prozent.

Weltweit steckt der Schiffbau in einer Krise. Die asiatischen Länder, allen voran Korea und China, haben in einem atemberaubenden Tempo riesige Kapazitäten aufgebaut. Alte Bestellungen werden abgebaut, die Nachfrage nach Containerschiffen ist aber fast zusammengebrochen. Bei vielen Schiffstypen sind die Neubaupreise auf das Niveau von vor zehn Jahren gefallen. Damit lassen sich die Kosten nicht decken. Generell sei der Schiffbau aber keine Branche in Not. "Nur ein Betrieb hat aufgegeben, für fünf andere wurden zukunftsfähige Lösungen gefunden", sagte Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken zu den acht Insolvenzanträgen der vergangenen Jahre.