Schweizer stimmen gegen "Managerabzocke"

Mehrheit der Eidgenossen spricht sich bei Volksabstimmung gegen Exzesse bei Bonuszahlungen, Abfindungen und Gehältern aus

Bern. Gesetz gegen Gier: Überzogene Millionenvergütungen für Spitzenmanager sollen in der Schweiz bald der Vergangenheit angehören. Dafür müssen Regierung und Parlament nach dem Willen des Volkes nun eine gesetzliche Grundlage schaffen. Bei Zuwiderhandlungen drohen Unternehmensvorständen Haft- und Geldstrafen. Für die entsprechende Volksinitiative "gegen die Abzockerei" stimmten am Sonntag bei einem Referendum fast 68 Prozent der Teilnehmer.

Die vor mehr als fünf Jahren von dem mittelständischen Unternehmer und parteilosen Abgeordneten Thomas Minder eingebrachte Initiative "gegen die Abzockerei" zielt darauf ab, Exzesse bei Bonuszahlungen, Abfindungen und Gehältern für Manager börsennotierter Unternehmen durch die Stärkung der Aktionärsrechte zu unterbinden. Über die Höhe von Managervergütungen sollen die Aktionäre künftig jährlich entscheiden. Sondervergütungen wie Abgangsabfindungen oder Begrüßungsgelder für Spitzenmanager in Millionenhöhe sollen gänzlich verboten werden. Verstöße gegen entsprechende gesetzliche Regelungen sollen mit bis zu drei Jahren Gefängnis und hohen Geldbußen bestraft werden können.

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, der die Initiative mit einer millionenteuren Kampagne bekämpft hatte, bedauerte deren Annahme. Zugleich versicherte der Verband aber, der Wille des Volkes werde "selbstverständlich" respektiert. "Es geht jetzt darum, eine praxistaugliche Umsetzung sicherzustellen", so Economiesuisse-Direktor Pascal Gentinetta.

Die langjährige "emotionale Debatte über Lohnexzesse vereinzelter Wirtschaftsführer" habe eine sachliche Diskussion über den Inhalt der Initiative stark behindert, bemängelte er. Vertreter der Wirtschaft und der bürgerlichen Parteien hatten vor allem vor Nachteilen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit von in der Schweiz ansässigen Konzernen gewarnt. Die politische Linke befürwortete die Initiative hingegen mehrheitlich.

Thomas Minder äußerte sich erfreut über die klare Zustimmung. "Ich bin froh, dass der lange Kampf vorbei ist", sagte er. Bis seine Vorstellungen voll umgesetzt sind, dürften allerdings noch mindestens ein bis eineinhalb Jahre vergehen. Regierung und Parlament müssen nun ein entsprechendes Gesetz auf Basis des Initiativtextes verabschieden.