Zu viel Windstrom wird zur Gefahr für das deutsche Energienetz

Berlin. Das deutsche Stromnetz steht in den nächsten Tagen vor einer besonderen Herausforderung: starker Wind. Der ist für gewöhnlich zwar keine unmittelbare Gefahr für die Hochspannungsleitungen, sorgt aber für ein Überangebot an Strom aus Windkraftanlagen. In der Spitze wird eine Windstromleistung von 24.000 Megawatt erwartet. Das entspricht der Leistung von fast 20 Atomkraftwerken.

Wenn aber in Norddeutschland massiv Windstrom in das Netz drückt, muss dieses an anderer Stelle entsprechend gestärkt oder entlastet werden. Wenn gleichzeitig die Verbraucher viel Strom abrufen, "könnte dies die Netze überlasten", sagte eine Sprecherin des süddeutschen Übertragungsnetzbetreibers Tennet.

Die paradoxe Folge des Überangebots von Windstrom ist, dass erstmals in diesem Winter die sogenannte Kaltreserve zur Sicherung einer stabilen Stromversorgung in Deutschland angezapft wird. Als Kaltreserve werden Kraftwerke bezeichnet, die nur eingeschaltet werden, um besondere Belastungen auszugleichen. Am Dienstag wurden vorsorglich mehrere deutsche und österreichische Kaltreservekraftwerke aktiviert.