85 Prozent der neuen Fernseher bald mit Internet

Berlin. Das Internet hat eine Branche nach der anderen umgepflügt - das Fernsehen aber ist bislang allen Prophezeiungen zum Trotz davon weitgehend verschont geblieben. Schritt um Schritt baut sich nun allerdings eine kritische Masse von Veränderungen auf, die auch vieles im Fernsehgeschäft auf den Prüfstand stellen werden. Die Olympischen Spiele in London waren im vergangenen Sommer ein Paradebeispiel dafür, wie Online-Angebote klassische Übertragungen ergänzen können. Und künftig wird der Übergang vom herkömmlichen Fernsehen ins Internet nahezu standardmäßig nahtlos.

Zum Jahr 2016 werden nahezu 85 Prozent der neuen Fernsehgeräte einen Internetzugang haben, prognostizierte jüngst das Marktforschungsunternehmen Gartner. Die Produktion der "Smart TVs" werde von 108 Millionen in diesem Jahr auf 198 Millionen steigen. "Der Fernseher wird zur zentralen Komponente, die verschiedene Bildschirme im Haushalt zusammenbringt", erwartet Gartner-Analyst Paul O'Donovan.

Diverse Anbieter bringen sich bereits für die neue Fernsehwelt von morgen in Stellung. Die Internetbranche will dabei eine Schlüsselrolle spielen. So baut Google auf der Wucht seiner Videoplattform YouTube auf und bietet mit über 100 Spartenkanälen seit vergangenem Jahr eine Art Ersatzfernsehen an.

An zwei Punkten werden die alten und neuen Player der Fernsehbranche unweigerlich aufeinanderprallen: die Werbeerlöse und die Zeit der Nutzer. Die deutschen Sender sorgen bereits vor: So gehört zum Beispiel die Online-Videothek Maxdome - auf den meisten Smart-TVs nur wenige Tastendrucke entfernt - zum Fernsehkonzern ProSiebenSat.1.

Das Jahr 2013 könnte auch ein seit Jahren herumgeisterndes Phantom Wirklichkeit werden lassen: den Apple-Fernseher. Laut US-Medienberichten testet der Konzern bereits seit Monaten verschiedene Prototypen mit seinen asiatischen Zulieferern.