Die Täter hatten sich aus einer Gruppe von 200 belgischen Arbeitern gelöst, die in Köln gegen die Schließung des Werks in Genk protestierten.

Köln. Nach der Randale vor dem Kölner Ford-Werk hat die Polizei insgesamt zehn Arbeiter festgenommen. Ihnen werde Landfriedensbruch vorgeworfen, sagte am Donnerstag ein Polizeisprecher. Neun seien bis zum Mittwochabend wieder freigelassen worden, der zehnte am Donnerstag. Ihm werde außer Landfriedensbruch auch Sachbeschädigung, gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz vorgeworfen. Der 39 Jahre alte Belgier werde als Rädelsführer der Randalierer betrachtet.

Ungefähr 200 Arbeiter aus einem belgischen Ford-Werk, das demnächst dicht gemacht werden soll, hatten am Mittwoch vor der Kölner Europa-Zentrale des Autoherstellers protestiert. Einige waren gewaltsam auf das Firmengelände gestürmt, hatten Scheiben zu Bruch gehen lassen und selbst gebastelte Sprengkörper explodieren lassen. Drei Polizisten erlitten durch umherfliegende Feuerwerkskörper ein Knalltrauma. Zahlreiche Arbeiter hatten sich vermummt, legten Reifen auf die Fahrbahn und zündeten diese an.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, sagte dazu am Donnerstag, als Gewerkschafter könne er nur zu gut verstehen, dass die Arbeiter ihren Zorn und ihre Sorge auf die Straße trügen. „Dieser Zorn darf sich aber nicht in blinde Wut gegenüber Unbeteiligten Bahn brechen.“ Die Brachialität, mit der die Demonstranten gegen die Polizisten vorgegangen seien, befremde ihn sehr.

Ford zeigt teilweises Verständnis

Erst am Mittag hatte sich die Lage laut Polizei beruhigt, und die Arbeiter verließen das Werksgelände wieder. Anschließend protestierten sie vor dem Gelände. Auf einem Transparent hieß es: „Genker und Kölner Kollegen kämpfen gemeinsam gegen Arbeitsplatzabbau bei Ford.“ Die Versammlung vor dem Werksgelände sei als Spontandemonstration gewertet und deshalb nicht aufgelöst worden, sagte der Polizeisprecher.

Das Unternehmen äußerte in einer ersten Reaktion zwar Verständnis für die Verärgerung der belgischen Beschäftigten, zeigte zugleich aber Unverständnis für die Form des Protests. „Natürlich verstehen wir auf der einen Seite, welchen Einfluss unser europäischer Geschäftsplan auf die Menschen hat“, erklärte Ford Deutschland. „Auf der anderen Seite sind wir enttäuscht darüber, dass einige der Protestierenden sich gewaltsam Zugang zum Werksgelände verschafft haben“, hieß es in der Stellungnahme.

Unter der Bedingung, dass die Demonstranten das Gelände verlassen, habe Ford auf Anzeigen verzichtet, sagte eine Unternehmenssprecherin. Die Sachschäden seien „marginal“ gewesen.

Ford-Chef verteidigt Werksschließungen

Das Ford-Werk in Genk soll Ende 2014 schließen, etwa 4.500 Mitarbeiter sowie 5.000 Stellen bei Zulieferern sind davon betroffen. Derzeit laufen noch Gespräche zwischen Ford und belgischen Regierungs- und Gewerkschaftsvertretern, die sich mit der Entscheidung nicht abfinden wollen. Bereits Ende Oktober hatten die Ford-Mitarbeiter in Genk protestiert und vor dem Werk Autos angezündet.

Ford leidet seit geraumer Zeit unter Absatzeinbrüchen und rechnet im Europageschäft für das laufende Jahr mit einem Verlust von mehr als 1,5 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro).

Konzernchef Alan Mulally verteidigte am Mittwoch in Berlin die Schließung von zwei Werken in Großbritannien und dem in Genk. „Das wird viele Menschen betreffen, und wir sind uns dessen bewusst“, sagte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Europa seit Bekanntgabe der Entscheidung, die insgesamt 6.200 Jobs kosten dürfte. Zu den Schließungen gebe es aber keine Alternative.

Mulally bekräftige, dass es Überlegungen gebe, im Zuge der Umstrukturierung die Produktion der Van-Modelle C-MAX und Grand C-MAX aus dem spanischen Valencia ins saarländische Saarlouis zu verlegen.