Digitalisierung

Libri.de baut den E-Book-Handel aus

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Daniela Stürmlinger

Der Hamburger Buchgroßhändler erwartet großes Wachstum im digitalen Markt. Das Unternehmen gehört zur Herz-Familie.

Hamburg. Der Online-Medienhändler Libri.de, Tochter von Deutschlands führendem Buchgroßhändler Libri mit Sitz in Hamburg, rüstet sich für den digitalen Büchermarkt. Das Unternehmen nennt sich am 10. Oktober nicht nur in seinen neuen Namen eBook.de um, sondern hat auch für seine Marktoffensive zehn weitere neue Mitarbeiter eingestellt. "Wir wollen für Einsteiger und Profis Deutschlands erste Adresse für E-Books und Lesegeräte werden", sagt Firmenchef Per Dalheimer dem Abendblatt. Das derzeit 40 Mitarbeiter starke Unternehmen hatte zuvor die Internetdomäne ebook.de übernommen.

"Wir richten mit eBook.de einen völlig neuen und übersichtlichen Shop mit der Möglichkeit zum Sofortkauf eines Produkts ein." Die Internetseite kann von allen relevanten Lesegeräten wie PC, Laptop, Tablet und Smartphone angesteuert werden und stellt zudem auch kostenlose Lese-Apps für die Geräte bereit.

Das Unternehmen verstärkt damit seine Bemühungen auf einem noch jungen Markt, der derzeit dreistellige Wachstumsraten - wenn auch noch auf niedrigem Niveau - vorweisen kann. Laut Dalheimer werden in diesem Jahr rund 150 Millionen Euro Umsatz mit E-Büchern erwirtschaftet. Das entspricht etwa 15 Millionen Büchern, die von den Shops der Anbieter heruntergeladen werden. Im vergangenen Jahr lag der vergleichbare Umsatz noch lediglich bei 40 Millionen Euro. "Wir haben in diesem Jahr über Libri.de erstmals mehr digitale Bücher verkauft als gedruckte Bücher im gebundenen und Taschenbuchformat zusammen", sagt der Firmenchef Dalheimer.

Der Trend wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit fortsetzen. Während 2011 gerade mal ein Prozent aller Bücher digital gelesen wurden, werden es in diesem Jahr geschätzte drei Prozent sein. "Für 2013 rechne ich mit fünf und 2015/16 werden es über zehn Prozent sein." In den USA, die zwei Jahre früher in den Markt der digitalen Bücher eingestiegen sind, werden heute schon über zehn Prozent aller Bücher digital verkauft. Das Potenzial ist groß.

Derzeit setzt der deutsche Buchhandel gut neun Milliarden Euro um, sagt Dalheimer. Ein Großteil davon sind wissenschaftliche Erzeugnisse, bei denen schon ein hoher Prozentsatz meist von Verlagen direkt an Interessierte verkauft wird. Ungefähr die Hälfte des Buchumsatzes wird mit Endverbrauchern erzielt. Das sind rund 4,5 Milliarden Euro Umsatz, die für eBook.de und die Wettbewerber interessant sind.

Marktführer im Bereich digitaler Bücher ist Amazon, gefolgt von Apple, Weltbild und Libri.de. Doch die Hamburger wollen aufholen. Nicht nur beim Umsatz, sondern auch in der Technik. Der Internetauftritt wurde für den Start von eBook.de am 10. Oktober komplett modernisiert und wirkt aufgeräumter als bei Libri.de. "Wir werden den umfassendsten Service in der Branche bieten. Hierzu zählt ein persönlicher Kundendienst mit einer für den Kunden kostenlosen Hotline. Wir wollen Anfängern des digitalen Lesens eine Orientierung bieten." Ziel der Serviceoffensive ist, auch ältere Menschen für die neuen E-Books zu begeistern. Das hilft Leseratten, Kosten zu sparen. Die digitalen Bücher unterliegen zwar auch der Buchpreisbindung, sie sind aber im Schnitt 20 Prozent günstiger zu haben als Bücher aus Papier.

600 000 deutschsprachige und internationale E-Book-Titel bietet das Unternehmen derzeit an. Hinzu kommen zahlreiche E-Book-Reader, also Lesegeräte wie der Reader von Sony, der im Shop von eBook.de vorinstalliert ist. "Und natürlich komplettieren gedruckte Bücher weiter das volle Sortiment", sagt Dalheimer, der 1999 Mitgründer und Geschäftsführer des ehemaligen Hamburger Internetportals clickfish war. Libri.de wurde 1999 vom Mutterkonzern Libri gegründet, der zum Unternehmensbereich der Hamburger Familie Herz (Tchibo, Beiersdorf) gehört.

Schon zur Messe Cebit brachte Libri.de 2005 als erster deutscher Anbieter 20 000 E-Books mit. Seit 2009 kooperiert das Unternehmen mit Sony und dessen Lesegerät. Zur Internationalen Funkausstellung 2010 besiegelte der Onlinehändler eine Kooperation mit dem Computerhersteller Acer. Das erste Lesegerät mit UMTS und WLAN-Funktion kam auf den Markt.

Neben dem Online-Verkauf von digitalen und traditionellen Büchern betreut das Unternehmen die Internetshops von rund 1000 Buchhandlungen, darunter Heymann und Weiland. "Wir übernehmen die Logistik, die Zahlungsabwicklung und den Kundenservice für die Firmen", sagt Dalheimer. Doch das wird sich mit der Umbenennung des Unternehmens in eBook.de ändern. "Diesen Geschäftsbereich geben wir an unsere Muttergesellschaft ab", sagt Dalheimer, der in Hamburg Wirtschaftsingenieur studiert hat und als Segler früher im Kader der Nationalmannschaft war. Künftig will sich eBook.de ausschließlich auf den immer lukrativer werdenden Markt für digitale Bücher konzentrieren. Den Kampf mit seinen Wettbewerbern um Marktanteile nimmt Dalheimer sportlich.

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