Ölproduktion in Nordsee geht immer stärker zurück

Große Lieferanten fallen für Deutschland langfristig aus

Münster. Die Produktion von Öl in der Nordsee ist auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren gesunken. Einer Studie zufolge wurden im vergangenen Jahr in der Nordsee 124 Millionen Tonnen Öl gefördert. "Das bedeutet im Vergleich zum Jahr 1996 eine Halbierung der Förderungsmenge", sagte der Direktor des Internationalen Wirtschaftsforums für Regenerative Energien, Norbert Allnoch, in Münster. Damals seien noch rund 258 Millionen Tonnen Öl gefördert worden - seitdem befinde sich jedoch die Produktion von Nordsee-Öl im Abwärtstrend, der sich beschleunige. 2011 lag die Ölförderung laut der Studie auf dem Niveau von 1982.

"In zehn Jahren wird die Ölproduktion in der Nordsee wahrscheinlich bedeutungslos sein", prognostizierte Allnoch. Weder neue Fördertechniken noch die wenigen bisher unerschlossenen Ölfelder könnten diesen Trend umkehren. Dies bestätigte auch Harald Andruleit von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: "Es handelt sich hierbei um einen natürlichen Förderabfall. Zwar ist es nicht völlig ausgeschlossen, noch größere Ölfelder in der Nordsee zu finden - aber bei den Tausenden von Bohrungen, die dort bereits durchgeführt worden sind, wäre das schon eine große Überraschung."

Für Deutschland bedeutet dies, dass mit Großbritannien und Norwegen zwei der wichtigsten Rohöllieferanten langfristig ausfallen werden. "Damit wird unsere Abhängigkeit von Öl aus nicht so politisch-stabilen Ländern außerhalb der EU steigen", sagte Allnoch. Zu den großen deutschen Lieferanten zählen zudem Russland, Libyen und Nigeria. Die deutsche Produktion von Erdöl könne die Ausfälle nicht ausgleichen. Derzeit macht sie laut RWE Dea, das nach Öl sucht, nur rund drei Prozent des jährlichen Rohölbedarfs in Deutschland aus.

Die Hälfte des deutschen Öls stammt aus der Nordsee. Die Menge soll aber steigen. "Wir und unsere Experten sind zuversichtlich und haben große Hoffnung, dass die vier Probebohrungen, die wir demnächst dort durchführen werden, erfolgreich sind", sagte Unternehmenssprecher Derek Mösche. Man hoffe, dort noch bis auf 20 Millionen Tonnen Öl zu treffen.