Kontaktbörse Uni

Der Campus ist ein wahres Flirt-Paradies

| Lesedauer: 5 Minuten
Vivien Leue

Foto: Getty Images/Digital Vision

Gleiches Alter, gleiche Interessen - Hochschulen sind als Kontaktbörse für Studenten so unkompliziert wie unschlagbar.

Ein langer Blick, ein kurzes Lächeln, vielleicht ein zartes "Hallo": So fangen Flirts oft an. Auf dem Campus gibt es dazu jede Menge Gelegenheiten. Dort tummeln sich viele Menschen gleichen Alters mit verwandten Interessen. "An der Uni ist die Wahrscheinlichkeit, einen Partner zu finden, sehr hoch", sagt der Sozialpsychologe Professor Manfred Hassebrauck von der Uni Wuppertal.

"Für eine Partnerschaft ist es von Vorteil, wenn die Einstellungen und Wertvorstellungen zueinander passen." Das trifft oft auf Kommilitonen zu, die das gleiche Fach studieren. Nicht nur deshalb gelten Hochschulen als idealer Ort zum Flirten: "Allein der Umstand, dass man sich immer wiedersieht, macht das Kennenlernen einfacher", erklärt Hassebrauck, der ein Buch über die Liebe geschrieben hat.

Für ihn ist die Uni eine prima Kontaktbörse. "Ich lerne den anderen in einer unverkrampften und unverbindlichen Situation kennen." Anders als abends in der Kneipe besteht kein Zeitdruck, andere noch schnell anzusprechen, bevor er oder sie wieder geht. Wer sich in einer Vorlesung verliebt, kann ziemlich sicher sein, den anderen jede Woche zur selben Zeit wiederzusehen.

Blickkontakt halten

Flirttrainerin Nina Deißler aus Hamburg gibt Tipps fürs erste Kennenlernen: "Jemanden in der Bibliothek oder der Vorlesung immer nur anzuschmachten und dann wegzuschauen, wenn der andere guckt, bringt nichts." Stattdessen sollte der Blickkontakt gehalten werden. Was außerdem gut ankommt: Lächeln! Schüchternen empfiehlt Deißler einen kleinen Trick: "Wer Angst vor Fremden hat, muss sich nur vorstellen, dass man die andere Person schon kennt."

So ließen sich Hemmungen überwinden, jemanden anzusprechen. Das erste Ansprechen ist an der Uni meist einfacher als anderswo. Immerhin verrät allein die Vorlesung, die jemand besucht, schon viel über die Person: Was studiert der andere, ist er oder sie eher am Anfang oder am Ende des Studiums? Dadurch gibt es viele Fäden, die im Gespräch aufgenommen werden können.

So könne man die andere Person fragen, ob er oder sie schon ein Seminar des Dozenten besucht hat, rät Flirttrainerin Deißler. Wenn Prüfungszeit ist, kann man auch vom Lernstress erzählen und fragen, wie der andere damit umgeht. Ist der erste Anlauf gemacht, bietet die Uni viele Möglichkeiten, den Kontakt zu vertiefen. In Leipzig sind zum Beispiel die Partys in der Moritzbastei beliebt, sagt Simon Feldkamp von der dortigen Universität. Im großen Keller im Univiertel finden regelmäßig Hochschulfeten statt. "Aber auch bei privaten WG-Partys lernen sich viele kennen", sagt Feldkamp.

Per Zufall zum ersten Date

Amelie Altenbuchner von der Studentenvertretung der Universität Regensburg empfiehlt, sich in studentischen Gruppen umzuschauen. "Unipartys eignen sich eher nicht dafür, jemanden ernsthaft kennenzulernen", meint sie. Dort fänden sich allenfalls Partner für eine Nacht.

In Studenten- und Lerngruppen treffen dagegen Kommilitonen mit gleichen Interessen aufeinander - und finden dann womöglich auch zueinander. Ein Vorteil von kleineren Unistädten wie Regensburg: "Die Altstadt hier hat eine hohe Kneipendichte und ist wie ein Dorf. Dort trifft man auch Leute aus den Hörsälen wieder." So kann es passieren, dass sich Studenten eher zufällig zu einer Art erstem Date treffen, ohne vorher groß grübeln zu müssen, wann und wo ein solches Treffen stattfinden sollte.

Das macht beide Seiten entspannt und locker - eine gute Voraussetzung, um sich kennenzulernen. Sozialpsychologe Manfred Hassebrauck sieht hierin auch einen Unterschied zum späteren Flirt am Arbeitsplatz. "Anders als mit 30 oder 40 denkt man mit Anfang 20 noch nicht an Familie und Kinder", sagt er.

Das entkrampfe das Kennenlernen, weil das Gegenüber nicht sofort nach dem idealen Familienvater oder der Frau fürs Leben sucht. "Außerdem ist der Pool derjenigen, die man kennenlernen kann, mit Anfang 20 größer", sagt Hassebrauck. Im Studentenalter gibt es genug Leute, die noch nicht fest vergeben sind. Ein Flirt hat an der Uni deshalb gute Chancen auf Erfolg.

Wer sich nicht traut, den neuen Schwarm anzusprechen, der muss üben. "Es fällt einem viel leichter, auf jemanden zuzugehen, wenn man das vorher trainiert hat", sagt die Flirttrainerin Deißler. Grundlage des ersten Gesprächs sind meist Small-Talk-Themen. Den Einstieg könne man beispielsweise in der Mensa ausprobieren. Ob das Wetter, das Essen oder die Frisur - Themen lassen sich immer finden.

Auch das Anlächeln fremder Studenten kann auf dem Campus geübt werden. Wer sich vornimmt, beim nächsten Gang vom Hörsaal zur Bibliothek mindestens zwei Studenten oder Studentinnen anzulächeln, merkt schnell, dass das gar nicht so schwer ist.

Quelle: Welt Online

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft