Geldanlage

Warum Dachfonds die Verkaufsschlager sind

Mit aggressivem Marketing versuchen Investmentgesellschaften Dachfonds an den Mann zu bringen. Sie bewerben die Anlageform als Allheilmittel gegen die Abgeltungssteuer. Dabei lässt die Rendite von Dachfonds stark zu wünschen übrig. Doch zum Glück gibt es Alternativen.

Dieser Tage wird eine alte Investment-Weisheit radikal bestätigt: Fonds werden nicht von Anlegern aktiv gekauft, sondern von Banken und Vertriebsleuten an den Mann gebracht. Anders ist es nicht zu erklären, dass Dachfonds im ersten Halbjahr die mit Abstand meistverkaufte Produktgattung in Deutschland war. Schließlich notieren in diesem Jahr gerade einmal 20 der Boomprodukte im Plus – weniger als vier Prozent. Ganze 292 Portfolien verringerten das Kapital der Anleger seit Januar zweistellig. Aktuellen Zahlen des Branchenverbandes BVI zufolge flossen im ersten Halbjahr mehr als 6,7 Milliarden Euro in Dachfonds.

Experten führen die hohen Zuflüsse auf die drohende Abgeltungsteuer zurück. Investoren können die neue Abgabe nur dann umgehen, wenn sie ihr Geld bis Ende 2008 investieren. Bis dahin sind Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Bei Anlagen ab 2009 zieht der Fiskus von den Kapitalerträgen unabhängig von der Haltedauer im Depot pauschal 25 Prozent ein.


"Dachfonds werden Anlegern als Allheilmittel gegen die Abgeltungsteuer verkauft", sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. Die Marketingmaschinerie bei Banken, Fondsgesellschaften und Strukturvertrieben läuft auf Hochtouren. Allein seit Jahresanfang sind 81 Dachfonds neu auf den Markt gekommen – bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht warten noch Dutzende auf ihre Zulassung.


"Trotz des schwierigen Marktumfelds verzeichnen wir aktuell riesige Zuflüsse", sagt Ansgar Guseck, Vorstand beim Kölner Dachfondsanbieter Sauren. "Vermögensverwalter legen für ihre Privatkunden schon einmal Fondsmäntel an, um in der Zeit nach Einführung der Abgeltungsteuer flexibel zu sein."

Die Idee klingt vielversprechend. Der Dachfondsmanager investiert das Geld der Kunden nicht in Einzeltitel wie Siemens oder Telekom, sondern in andere Aktien- und Rentenfonds. Dadurch ist das Risiko schon einmal breiter gestreut. Der Assetverwalter kann jederzeit die Fonds austauschen und sich damit flexibel an Markttrends anpassen. Da die Umschichtungen im Dachfonds geschehen, büßen Anleger den Abgeltungsteuervorteil nicht ein.

"Das Ganze ist eine schöne Marketingidee. Die Praxis sieht jedoch anders aus", sagt Gottschalk. In den vergangenen Jahren seien die Konstruktionen eher durch nachhaltige Erfolglosigkeit aufgefallen. Die meisten Manager hätten für die Anleger keinen messbaren Mehrwert geschaffen.

Einen Grund sehen Experten in den horrenden Gebühren. So fallen gleich doppelt Kosten an: für den Dachfonds und für die Zielfonds. Diese betragen in der Regel zwischen 2,5 und vier Prozent pro Jahr und sind für den Anleger weitgehend unsichtbar. Sie werden direkt von der Anlagesumme und damit der Performance abgezogen. Ein weiteres Problem ist der Personalmangel in der Branche. "Die Zahl der Fondsneugründungen wächst schneller als die Zahl der kompetenten Fondsmanager", sagt Verbraucherschützer Gottschalk.

Wer dennoch auf Dachfonds setzen will, sollte einige Grundregeln beachten. Zunächst einmal raten Experten davon ab, bei allzu kleinen Produkten einzusteigen. Wird nämlich ein Dachfonds infolge mangelnder Größe geschlossen, ist der Steuervorteil schnell dahin. Denn das Geld muss dann neu investiert werden. Außerdem sollten Sparer ihr Geld ausschließlich erfahrenen Fachleuten anvertrauen, die sich am Markt bewährt haben. Dabei sticht die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka aus der Masse heraus. Das Institut hat hierzulande die größte Anzahl an Dachfonds im Angebot. Auf Sicht von fünf Jahren schneiden spezialisierte Anbieter wie Sauren und Carmignac gut ab.

Nicht nur Verbraucherschützer sehen jedoch wesentlich kostengünstigere Alternativen: die Indexfonds, die mittlerweile auch als Paket zu haben sind. So bietet die Gesellschaft Veritas Dachfonds, die in Indexfonds investieren.

Quelle: Welt Online