Dax und Co.

2008 war das dunkelste Börsenjahr aller Zeiten

Ob Dax, MDax, TecDax oder SDax: Fast alle deutschen Börsenbarometer sind im Jahr 2008 dramatisch gefallen. Es war das bislang schlimmste Jahr aller Zeiten für die Dax-Familie. Besonders hart hat es den so genannten Ökodax getroffen. Doch es gibt wie immer einen Krisengewinner.

Die Indizes der Dax-Familie erinnern dieses Jahr an die Buddenbrooks von Thomas Mann. Am Ende des Jahres findet man fast nur noch gescheiterte Existenzen vor. Der Niedergang betrifft – fast – alle Mitglieder der einstmals stolzen Index-Dynastie. Der pater familias der Daxe, in dem Deutschlands 30 größte Börsenunternehmen gelistet sind und der auch als Börsenbarometer bezeichnet wird, hat 2008 mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt. „Dieses Jahr war das schlechteste Aktienjahr seit 1931“, sagt Vincent Treulet, Stratege bei Natixis.

Gleich zu Jahresbeginn ging es mit dem Kursrutsch los. Bereits nach vier Wochen lag der Index infolge zweistellig im Minus. Die Fehlspekulation des Société-Générale-Traders Jérôme Kerviel hatte die Verkaufswelle verstärkt. Im März ereilte den Dax der nächste Tiefschlag: Die Beinahe-Pleite der US-Investmentbank Bear Stearns riss die Märkte in die Tiefe. Die anschließende Erholung währte nicht lange. Sorgen um die Konjunktur und die sich zuspitzende Bankenkrise zerstörten das Vertrauen der Anleger in die Märkte. Nach dem Bankrott von Lehman Brothers am 15. September schienen dann die Pforten der Hölle geöffnet. Mit beispiellosem Furor stürzte der Dax bis auf 4000 Punkte ab, nachdem er im Januar zeitweise noch bei über 8000 Stellen gelegen hatte.


Doch nicht nur die Finanzkrise setzte dem Dax zu, zusätzlich wurde das Ansehen des Aushängeschildes der Deutschen Börse auch durch die Affäre VW in Mitleidenschaft gezogen. Ende Oktober war der Leitindex zu einem Spielball einer einzigen Aktie geworden, nämlich der von Volkswagen. Das Papier der Wolfsburger hatte sich getrieben durch spekulative Aktivitäten rund um die Übernahme durch Porsche zwischenzeitlich auf mehr als 1000 Euro versiebenfacht und im Dax ein monströses Übergewicht über alle anderen Werte erhalten.

Größter Problemfall ist gemessen an den Kursverlusten allerdings der ÖkoDax, der Mitte 2007 unter hohen Erwartungen das Licht der Welt erblickte. Der Index, in dem Aktien von Anbietern Alternativer Energien vertreten sind, hat seit Januar fast zwei Drittel an Wert verloren. Der fallende Ölpreis, die Flucht aus dem Risiko und die Kreditklemme waren für Firmen aus den Wachstumssektoren Solar, Windkraft und Biosprit ein regelrechter Giftcocktail. Der Ölpreis ist seit Jahresanfang um rund 60 Prozent eingeknickt.

Andere von der Deutschen Börse kreierte Indizes haben Anlegern dieses Jahr etwas weniger Kummer bereitet als der Klassiker. Am besten schnitt der ShortDax ab, der 2008 um mehr als 50 Prozent zulegen konnte. Dieser Strategie-Index ist so etwas wie ein dunkles Spiegelbild des Dax, der dann steigt, wenn der Standard-Index fällt und umgekehrt. Besser als der Index-Vater schnitten auch der Dax Protective Put ab, bei dem die Möglichkeiten der Kurssicherung mittels Optionen systematisch genutzt werden. Er steht eine Woche vor Jahresende 19 Prozent im Minus. Besser steht auch der DaxPlus Seasonal Strategy da, der die traditionell schwachen Monate August und September ausblendet.

? Anleger können sich die ganze Dax-Familie in Form börsengehandelter Indexfonds, auch ETF genannt, ins Depot packen. Das kostengünstigste Dax-Produkt mit einer Verwaltungsgebühr von 0,1 Prozent jährlich hat die Commerzbank-Tochter Comstage im Angebot (WKN: ETF001). ETFs bilden den Index eins zu eins ab. Werden Werte ausgetauscht, vollzieht der Fonds das automatisch nach. Der Clou: Werden ETFs bis Ende des Jahres gekauft, konservieren sie die alte Steuerregelung, derzufolge Kursgewinne nach zwölf Monaten Haltefrist nicht mit dem Fiskus geteilt werden müssen. Den DivDax gibt es als Indexzertifikat von iShares (WKN: 263527). Den gehebelten LevDax können Anleger aus dem Hause Lyxor spielen (WKN: LYX0AD). Aktien-Pessimisten halten sich an den DB X-Trackers Short Dax, der zulegt, wenn das Barometer fällt (WKN: DBX1DS).

Auch auf die Nebenwerte-Indizes TecDax (WKN: 593397) und MDax (WKN: 593392) gibt es Indexfonds. Die Strategie des Dax Protective Put können Anleger ebenfalls mit einem Indexfonds nachbilden (WKN: LYX0BU). Auf den Exportwerte-lastigen DaxPlus Export Strategy gibt es ein Index-Zertifikat von der Landesbank Berlin (WKN: BGB0YX), auf den ÖkoDax eines von der Deutschen Bank (WKN: DB80EK) und auf den DaxPlus Seasonal Strategy (WKN: ABN8ML) von RBS. Allerdings unterliegen die Zertifikate so oder so der Abgeltungsteuer.

Quelle: Welt Online