Steuer-Razzia

Fahnder durchsuchen erneut Villen und Büros

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In mehreren Großstädten sind am Montag Fahnder auf der Suche nach weiteren Steuersündern mit Schwarzgeld in Liechtenstein ausgeschwärmt. Die Ermittler durchsuchten Wohn- und Büroräume. Auch bei Privatbanken wurden sie vorstellig. Doch das sei erst der Anfang, sagen die Steuerfahnder.

In Deutschland ist eine beispiellose Welle von Razzien gegen mutmaßliche Steuerhinterzieher angelaufen. Von München über Stuttgart, Ulm und Köln bis Hamburg durchsuchten Steuerfahnder und Staatsanwälte am Montag Bankfilialen, Büros und Privathäuser. Nachdem die Ermittler in den Besitz von Liechtensteiner Bankdaten gelangt waren, erstatteten auch viele Steuersünder Selbstanzeige, um einem Strafprozess zu entgehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte beim Besuch des liechtensteinischen Ministerpräsidenten Otmar Hasler am Mittwoch ein hartes Gespräch über Steuerflucht an.

Die Staatsanwaltschaft Bochum als federführende Ermittlungsbehörde ließ am Montag bundesweit Dutzende Objekte durchsuchen. Mehrere hundert Polizisten, 37 Steuerfahnder und acht Staatsanwälte seien im Einsatz gewesen, heißt es laut Medienberichten. In München durchsuchten die Fahnder nach Informationen der „Bild“-Zeitung zwei Villen und zwei Privatbanken. Dabei handelte es sich um die Münchner Niederlassungen der Privatbanken Metzler sowie Hauck und Aufhäuser, zudem wurde die Metzler-Niederlassung in Frankfurt am Main durchsucht, wie Firmensprecher bestätigten.

In Hamburg gab es Durchsuchungen wegen fünf Verdachtsfällen, wie die Finanzbehörde der Hansestadt bestätigte. In Stuttgart wurden zwei Häuser durchsucht. Razzien gab es auch in Ulm und in Köln, wie die Polizei bestätigte, sowie im Großraum Frankfurt am Main.

Die Razzia beim scheidenden Postchef Klaus Zumwinkel am Donnerstag und die Berichte über bevorstehende Durchsuchungen bei 700 vermögenden Bundesbürgern veranlassten viele Steuersünder zur Flucht nach vorn. Allein in Hamburg gab es bis zum späten Nachmittag fünf Selbstanzeigen, wie ein Sprecher der Finanzbehörde sagte. „Es rappelt jetzt mit Selbstanzeigen“, zitierte das „Handelsblatt“ Strafverfolger. Die Anwälte der Betroffenen legten offenbar Sonderschichten ein. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die ersten prominenten Namen bekannt würden. Es gehe quer durch alle Schichten.

Auch in Berlin gibt es eine zweistellige Zahl von Fällen, wie eine Finanzsprecherin sagte. Durchsuchungen seien geplant. Der Leiter der Berliner Steuerfahndung, Wolfgang Lübke sagte in einem Interview: „ Es sollen alle noch einmal Zeit haben, ihre Selbstanzeige abzugeben.“

Zugleich stieg der Druck auf Liechtenstein, der Steuerflucht einen Riegel vorzuschieben. Merkel sagte vor dem Besuch von Ministerpräsident Hasler in Berlin: „Ich glaube, dass es eine passende Gelegenheit ist, sich über die anstehenden Probleme noch einmal zu unterhalten.“ Der Botschafter Prinz Stefan von und zu Liechtenstein wies im Nachrichtensender N24 Vorwürfe zurück, das Fürstentum lade Vermögende zur Steuerhinterziehung ein. Politiker von Union und Grünen forderten, die Fluchtburgen für Schwarzgeld unter Druck zu setzen und in Deutschland mehr Steuerfahnder einzustellen.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft will nach Medieninformationen in einer ersten Welle noch in dieser Woche 125 Razzien bei mutmaßlichen Steuerhinterziehern durchführen. Sie werde aber erst Ende der Woche weitere Stellungnahmen abgeben, sagte Behördensprecher Bernd Bienioßek. Die Berichterstattung über die Razzia bei Zumwinkel habe die Arbeit der Ermittler erschwert.



Quelle: Welt Online

( ap/kami )

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