Kardinal mahnt mehr Gerechtigkeit in Unternehmen an

Mainz. Kardinal Karl Lehmann hat von der Wirtschaft eine Rückbesinnung auf Werte gefordert. "Die Kirche hat immer den Vorrang der Arbeit vor dem Kapital betont", sagte der Mainzer Bischof am Freitag in Mainz bei einem Treffen von rund 1000 Wirtschaftsjunioren. "Deshalb ist der Umgang mit den Menschen in einem Unternehmen immer von besonderer Bedeutung."

Die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß müssten an Bedeutung gewinnen. "Nicht wenige meinen, eine an Marktprinzipien orientierte Wirtschaft könne auf ethische Belange keine Rücksicht nehmen." Der katholische Bischof warnte davor, dass vor allem Kapitalgesellschaften nach US-amerikanischem Muster nur nach Zahlen beurteilt werden - ohne Rücksicht auf die Mitarbeiter. Die Folge könne sein, dass dann "auch kopflos rationalisiert" werde, sagte Lehmann. "Wäre nicht derjenige Unternehmensführer tapfer zu nennen, der auf den nur kurzfristigen Erfolg an den Börsen beispielsweise durch Entlassungen verzichtet, auch wenn der Druck der Anleger und Analysten immens ist?" Vielmehr solle in Technologie und Qualität investiert werden, um auf längere Sicht Marktanteile und Arbeitsplätze zu sichern.

Lehmann kritisierte mit Blick auf die Finanzkrise "die Glorifizierung eines fast unbeschränkten Gewinnmaximierungsprinzips", "höchst problematische Anreizsysteme für Führungskräfte" und eine "Kreditvergabe an kreditunfähige Menschen". Die klassische Tugendlehre könne Grundlage sein für das Einüben einer neuen Verantwortung. "Was geschehen ist, darf nicht einfach fatalistisch oder wie ein Naturgesetz hingenommen werden."

Der Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren, Tobias Schuhmacher, forderte ein Schulfach Wirtschaft. Dies sei notwendig, um zu erkennen, "dass es mehr gibt als Angestelltendasein". Die Schüler müssten mehr über Existenzgründung wissen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte: "Ich halte wenig davon, noch ein Schulfach zu schaffen." Die Fähigkeit zu wirtschaftlichem Denken müsse in vielen Fächern ihre Heimat haben. Zum Verband der Wirtschaftsjunioren zählen rund 10 000 Unternehmer und Führungskräfte unter 40 Jahren.