Karstadt plant neue Sporthäuser

Kaufhauschef sucht bundesweit Standorte für Neueröffnungen. Internetgeschäft wird ausgebaut

Essen. Der seit Jahresbeginn amtierende Karstadt-Chef Andrew Jennings will mit der Essener Warenhauskette auf Expansionskurs gehen. Vor allem bei den Premium- und Sporthäusern sei man auf der Suche nach geeigneten Immobilien, sagte Jennings der Nachrichtenagentur dpa. Grundsätzlich möglich sei auch eine Expansion ins Ausland. Karstadt betreibt derzeit 115 Häuser, davon drei sogenannte Premiumhäuser (wie das Alsterhaus), 26 Sporthäuser und 86 Warenhäuser.

Vor allem bei den Sporthäusern seien Neueröffnungen geplant: "Wir suchen bereits nach geeigneten Objekten. Geplant ist die Eröffnung von acht bis zehn neuen Sporthäusern in den nächsten drei bis vier Jahren", sagte Jennings. In Hamburg soll unter anderem die Filiale an der Osterstraße für zwei Millionen Euro modernisiert werden.

Im Oktober vergangenen Jahres war das damals insolvente Warenhausunternehmen von dem Investor Nicolas Berggruen übernommen worden. Der britische Manager Jennings, der seit Jahresbeginn an der Karstadt-Spitze steht, gilt als erfahrener Sanierungsexperte. Er hatte bis Ende 2009 bei Woolworth Südafrika umfangreiche Erfahrung bei der Restrukturierung einer Kette mit 400 Warenhäusern gesammelt. Jennings war auf Thomas Fox gefolgt, der in der Insolvenzphase im Sommer 2009 als Sanierer den Chefposten übernommen hatte.

Auf die Frage, ob bei Karstadt auch Schließungen von Filialen infrage kämen, sagte Jennings: "Wir haben dazu keine Pläne. Am Ende entscheidet allein der Kunde, ob unser Konzept erfolgreich ist oder nicht."

Weiterer Schwerpunkt neben den Neueröffnungen sei die Modernisierung der Filialen: "In diesem Jahr werden wir bis Ende September 22 Filialen modernisiert haben." In den kommenden vier Jahren wolle das Unternehmen rund 400 Millionen Euro in die Modernisierung von etwa 60 Filialen investieren, sagte Jennings. Auf die Frage, was passiere, wenn das Geld dafür nicht reiche, erklärte der Manager: "Diese Frage stellt sich überhaupt nicht."

Als einschneidendes Erlebnis bezeichnete der international erfahrene Handelsmanager einen Besuch im Karstadt-Warenhaus in Recklinghausen kurz nach seinem Amtsantritt. "Ich ging hinein und sagte ,Wow' - was für ein Potenzial und was für eine große Herausforderung", sagte Jennings. Es gehe darum, solche Filialen wieder zum Leben zu erwecken.

Parallel zur Modernisierung werde aber auch das Geschäft im Internet ausgebaut: "Im Moment ist der Umsatzanteil noch klein, aber er wird deutlich wachsen. In einigen Jahren rechnen wir mit einem Anteil von acht bis zehn Prozent." Zusätzlich wolle das Unternehmen Geschäftsprozesse vereinfachen. Ziel sei, dass die Verkäufer künftig mehr Zeit für ihre Kunden hätten.

Karstadt hatte im Oktober mit dem Einstieg des Investors Nicolas Berggruen einen Neustart hingelegt. Berggruen übernahm Karstadt nach einer monatelangen Zitterpartie. Das Unternehmen mit damals 120 Waren- und Sporthäusern hatte im Sommer 2009 zusammen mit der Mutter Arcandor Insolvenz anmelden müssen.