Arbeitsmarkt

Zeitarbeitsfirmen finden kaum noch neue Mitarbeiter

Vor allem in den Metall- und Elektroberufen sowie in den technischen Berufen, aber auch bei den Hilfsarbeitern sei das Angebot knapp.

Berlin. Personal ist knapp: Die Zeitarbeitsbranche leidet an einem akuten Arbeitskräftemangel. „Viele Zeitarbeitsbetriebe klagen über erhebliche Schwierigkeiten, das benötigte Personal in ausreichender Zahl zu rekrutieren„, sagte der Präsident des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA), Volker Enkerts, der „Welt„ (Montagausgabe).

Vor allem in den Metall- und Elektroberufen sowie in den technischen Berufen, aber auch bei den in der Zeitarbeit stark vertretenen Hilfsarbeitern sei das Angebot knapp. Einer Verbandsumfrage zufolge hat sich die Anzahl der Zeitarbeiter in Deutschland am Anfang des Jahres zögerlich entwickelt.

Enkerts erklärt das knappe Angebot einerseits damit, dass die Unternehmen beim Aufbau ihrer festen Belegschaft aus ihrem Zeitarbeiterpool schöpften: Die Kundenunternehmen hätten in „erheblichem Maße Zeitarbeitnehmer übernommen„. Die so entstandenen Personallücken bei den Zeitarbeitsunternehmen hätten jedoch wegen des deutlichen Rückgangs bei den Bewerberzahlen nicht entsprechend gefüllt werden können. Dass es so wenig Bewerber gibt, führt Enkerts auf den allgemeinen Arbeitskräftemangel zurück. Die Märkte seien leer gefegt, die Lage in der Zeitarbeit „ein Spiegelbild des Arbeitsmarkts„.

Viel verspricht sich die Branche von der Arbeitnehmerfreizügigkeit nach dem 1. Mai. In Osteuropa „können wir dringend benötigte Fachkräfte finden„, sagte Enkerts.

Urteil: Zeitarbeitsfirmen müssen Milliarden nachzahlen

Ein Urteil mit teuren Folgen: Mehrere Hundert mittelständische Zeitarbeitsfirmen müssen Sozialbeiträge in Milliardenhöhe nachzahlen, weil sie zu niedrige Löhne gezahlt haben. Die Deutsche Rentenversicherung Bund zog damit am Freitag die Konsequenz aus einem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom Dezember.

Die obersten Richter hatten damals die Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personalserviceagenturen (CGZP) für nicht tariffähig erklärt. Die CGZP war demnach nicht berechtigt, Tarifverträge abzuschließen. Damit entfällt die Berechtigung, Zeitarbeiter schlechter zu bezahlen als die Beschäftigten in den Entleihbetrieben. Die Differenz der Lohn- und Sozialbeitragskosten können nun nachträglich eingefordert werden.

Bundesweit hatten bis dahin rund 30 Prozent aller Leiharbeiter die CGZP-Tarifverträge - je nach Zeitpunkt 200 000 bis 300 000 Beschäftigte. Nach Schätzungen von Experten könnten sich allein die Forderungen der Sozialkassen auf zwei bis drei Milliarden Euro summieren. Die Unternehmen sollen bis 31. Mai zahlen.

Auch arbeitslose Leiharbeiter könnten rückwirkend ein höheres Arbeitslosengeld beantragen, wenn sie auf Grundlage von CGZP-Tarifverträgen beschäftigt waren, so die Bundesagentur für Arbeit. Die großen Zeitarbeitsfirmen sind nicht von den Nachzahlungen betroffen, da ihre Tarifverträge mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ausgehandelt waren. Wichtigster Tarifpartner der CGZP ist der Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP) mit rund 1100 Mitgliedsunternehmen.

(dapd/abendblatt.de)